Den Beschäftigten der Werften in Wismar, Rostock und Stralsund stehen massive Stellenstreichungen bevor. Am Mittwoch beteiligten sich Hunderte an den gewerkschaftlichen Protestaktionen.

Wie der Mutterkonzern „Genting Hong Kong“ den Arbeiter:innen in der vergangenen Woche mitteilte, stehen bei den „MV-Werften“ 1.200 der insgesamt 3.000 Stellen in Frage. Der Konzern hatte die Schiffswerften Mecklenburg-Vorpommerns vor fünf Jahren aufgekauft. In der kommenden Woche will die Geschäftsführung die Standorte besuchen. Auch der Landtag Mecklenburg-Vorpommerns wird sich am Freitag mit den Stellenstreichungen beschäftigten. Schon seit Monaten hängen die Beschäftigten in der Schwebe. Genting ist besonders stark durch die Wirtschaftskrise getroffen.

In Rostock-Warnemünde und Stralsund reagierte die Belegschaft am Mittwoch mit Protestaktionen auf die Ankündigung des Unternehmens. Aufgerufen hatte die „IG Metall Küste“.
In Warnemünde versammelten sich rund 300 Arbeiter:innen, um vor den Werkstoren für ihre Arbeitsplätze zu kämpfen. Nachdem sie es ablehnten, die Versammlung in zwei zeitlich versetzte Kundgebungen zu trennen, beendete die Polizei den Protest der Beschäftigten kurz vor seinem Ende.

In Stralsund organisierte die Gewerkschaft einen Autokorso mit rund 200 Wagen. Die Demonstration führte von den Werkstoren in die Innenstadt. Das Motto der Proteste war „Stralsund braucht die Werft“. In der Hansestadt sollen 400 der 530 Stellen wegfallen. Das Unternehmen plant lediglich den Erhalt einer Konstruktionsabteilung. Die Gewerkschaft fordert die Erhaltung als vollständige Werft.

Außerdem fordert die Gewerkschaft Förderungen aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds sowie eine Verlängerung der Kurzarbeiter:innenregelung. In Form von Transfergesellschaften solle den Beschäftigten, deren Arbeitsplatz nicht zu retten sei, stattdessen ein neuer vermittelt werden. Man erhofft sich außerdem Hilfe der Politiker:innen beim Einwerben neuer Aufträge.

Darüber hinaus rechnet die Gewerkschaften mit besseren Chancen nach der Krise. So meint Heiko Messerschmidt, Sprecher der IG Metall Küste, man müsse jetzt „Zeit gewinnen“ und „Brücken bauen“. Dabei sieht er vor allem einen wieder auflebenden Auftragsanstieg auf dem Kreuzfahrtmarkt. Außerdem solle man „die grüne Schifffahrt als Chance nutzen“.


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