Während der Corona-Pandemie verbuchte OTTO wie andere Online-Handel-Monopole Rekordumsätze. Nun stellte die Unternehmensführung ein Umbauprogramm vor, welches das Unternehmen „konkurrenzfähig“ machen soll – und die Existenzen hunderter Arbeiter:innen bedroht.

2.900 Arbeiter:innen nahmen am Dienstag an der Betriebsversammlung der in Hamburg ansässigen „Otto GmbH & Co KG“ teil. Dort stellte Katy Roewer, Bereichsvorstand für Service und Personal, ihnen das Umstrukturierungsprogramm des Unternehmens vor. Dabei wurde unter anderem die Devise „Vom Online-Händler zur Online-Plattform“ als strategische Orientierung für die nächste Zeit ausgegeben.  Bereits 2018 habe der Umbau zu einer solchen „wettbewerbsfähigen“ Plattform begonnen. Konkret bedeuten diese Pläne, dass der Konzern künftig Amazon Konkurrenz machen will. Unter anderem sollen immer mehr Drittanbieter dazu bewogen werden, ihre Produkte bei Otto anzubieten.

Bei diesem Umstrukturierungsprogramm unter dem Namen „New“ sollen auch die Automatisierung und Digitalisierung im Unternehmen vorangetrieben werden. – die Strukturen des Konzerns sollen „schlanker“ werden. Bis 2024 soll der Rationalisierungsplan durchgesetzt werden und 50 Millionen Euro pro Jahr sparen.

Dabei hält sich die Unternehmungsführung noch bedeckt, was die Zukunft der Beschäftigten angeht. Obwohl die „Otto Group“ ihren Umsatz im Geschäftsjahr 2020/21 nach vorläufigen Zahlen um rund 23 Prozent auf knapp 10 Milliarden Euro steigern konnte, berichten nun verschiedene Medien von drohenden Stellenstreichungen. Demnach seien rund 400 Arbeitsplätze bedroht. Viele Arbeiter:innen warfen dem Management „Geheimniskrämerei“ vor.

Laut einem Bericht der taz von der Betriebsversammlung vertrat eine Betriebsrätin dort den Standpunkt, betriebsbedingte Kündigungen als letztes Mittel nicht ausschließen zu können. Deshalb befinde man sich in Verhandlungen mit der Geschäftsführung über einen Sozialplan, der Abfindungen, Qualifizierungsmaßnahmen und Altersteilzeit vorsehe.

Unterdessen riefen antikapitalistische Organisationen wie das „Solidaritätsnetzwerk“ und „Betriebskampf“ die Kolleg:innen bei Otto auf, sich gegen die Massenentlassungen zu organisieren.


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