In Wuppertal hat am Freitag eine Kundgebung für die Freiheit von Palästina stattgefunden. Begleitet wurde sie von zahlreichen Polizeieinheiten, die den Kundgebungsort eingezäunt hatten. Ein vielseitiges und eindrucksvolles Programm hat stattgefunden. – Ein Bericht

Schon im Vorhinein hatte die Wuppertaler Polizei angekündigt, die Aktion mit zahlreichen Kräften zu begleiten. Bei der letzten Demonstration, die auch durch den „Palästinensischen Freundschaftsverein Wuppertal“ veranstaltet wurde, waren mehr als 900 Menschen gekommen und haben friedlich für Palästina demonstriert.

Unter dem Motto „We have a dream of a free Palestine“ organisierten sie jetzt eine Kundgebung vor dem Rathaus in Wuppertal-Barmen. Bei der Anreise fiel uns bereits auf, was die Polizei mit ihrer Ankündigung gemeint hatte:

In einem Radius von mehreren Straßen um den Rathausplatz herum wurden Polizeiwagen als Checkpoints aufgestellt. Auf dem Rathausplatz angekommen, bot sich ein groteskes Bild, das nicht nur bei uns Empörung erregte. Der Platz wurde von der Polizei mit bauchhohen Gittern abgesperrt. Zur Fußgängerzone hin ließ die Polizei eine schmale Schneise von nicht einmal 2 Metern, wo sich ein Team von Polizisten aufgebaut hatte. Sie stellten sich uns in den Weg und fragten, ob wir vorhätten, an der Versammlung teilzunehmen. Begründet wurde dieses Vorgehen mit den Corona-Auflagen.

Auf die Befragung des Beamten reagierte ein Mann, der sich zum Rathausplatz begeben wollte, souverän und selbstsicher: „Es geht Sie nicht an, ob ich an einer öffentlichen Versammlung teilnehmen möchte, oder nicht. Und jetzt gehen Sie mir bitte aus dem Weg.“

Nachdem wir die Strapazen der Ankunft hinter uns gelassen hatten, bot sich uns ein erfrischendes Bild: Zahlreiche Schilder und Fahnen wehten im Wind. Zu sehen waren auch viele Familien mit Kindern, die, bevor das Programm anfing, noch über den Platz tobten und spielten.

Auf den Rathaustreppen waren die Bilder mit Namen der 2 israelischen und rund 60 palästinensischen Kinder und Jugendlichen aufgestellt, die bei dem ungleichen Krieg in Palästina ermordet wurden.

Die Moderation begann mit der Durchsage einiger Regeln für die Veranstaltung und dem Hinweis auf die Hygienemaßnahmen auf Deutsch und auf Arabisch.

Die junge palästinensische Moderatorin eröffnete die Kundgebung mit einer gefühlvollen Rede über das Leid der Menschen in Palästina. Die zahlreichen Bilder der Kinder und Jugendlichen trugen zur andächtigen Stimmung bei. Es wurde in Erinnerung an sie eine Schweigeminute abgehalten, ihre Namen wurden verlesen.

Danach übergab die Moderation das Mikrofon an eine Vertreterin einer jüdischen Organisation. Sie berichtete von ihren Erfahrungen und ihr Leben als Jüdin in Israel und den menschenunwürdigen Bedingungen im Gazastreifen. Mit klarer Stimme sagte sie, dass erst von Demokratie die Rede sein könne, wenn auch die palästinensische Bevölkerung die selben Rechte genießen könne wie sie und ihre Familie in Israel.

Es folgten weitere Reden, in denen die Entrechtung und Unterdrückung der Palästinenser:innen angeprangert wurde. Jedoch betonten auch jeder Redner und jede Rednerin, genauso wie die Moderation, dass Jüdinnen und Juden nicht die Feinde seien. Synagogen sollten beschützt werden und wer diese angreife, wäre kein Freund und müsse bekämpft werden.

Ein Redner stellte Verbindungen zum Rassismus in Deutschland und den zahlreichen rassistischen Polizeimorden in Deutschland her. Das hohe Polizeiaufgebot und die Einzäunung der Kundgebung kritisierte er als eine besondere Form, wie sich der Rassismus durch die Behörden zeige. Zum Abschluss der Kundgebung wurden Blumen an die Teilnehmenden verteilt, die dann zu den Bildern der Kinder gelegt wurden. Die Moderation und viele der Teilnehmenden versicherten, dass sie weiterhin zu Aktionen schreiten wollten, solange das Unrecht anhalte.


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