Das deutsche Zulieferermonopol Bosch plant Umstrukturierungen in seiner Produktion. Dies bedroht derzeit vor allem kleinere Standorte des Unternehmens. Es sind Umstrukturierungen auf dem Rücken der Beschäftigten.

Der kapitalistischen Weltwirtschaft stehen – mit verstärktem Fokus auf „grüne“ Produktionsabläufe und voranschreitende Digitalisierung – tiefgreifende Veränderungen bevor.

Auch große deutsche Unternehmen stellen ihre Produktion in diese Richtung um, um ihre Stellung als (Welt-)Monopole in den internationalen Produktionsketten behaupten zu können. Im Vordergrund steht dabei, weiterhin die gleichen Profite abzuschöpfen.

Die Arbeiter:innen sind die Leidtragenden

Es ist also kein Wunder, dass vor allem die Beschäftigten unter den Umstrukturierungen zu leiden haben. Neuestes Beispiel ist das Zulieferunternehmen Bosch, das gerade Schließungen und Verkäufe kleinerer Betriebe in Deutschland plant oder bereits durchführt.

Grund dafür sei die Umstellung auf Elektromobilität. Es gäbe – so die Konzernsprecherin – „erhebliche Überkapazitäten und damit einen hohen Anpassungsbedarf“.

Demnach beabsichtigt der Konzern derzeit, sein Werk im Münchener Stadtbezirk Berg am Laim zu schließen, in dem 250 Arbeiter:innen elektrische Kraftstoffpumpen und Einspritzventile fertigen. Die Produktion könnte künftig nach Campinas (Brasilien), Hallein (Österreich), Budweis (Tschechien) oder Nürnberg verlagert werden, wie das Handelsblatt berichtet.

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Erst vor einigen Tagen war angekündigt worden, die Produktion von Generatoren-Reglern im thüringischen Arnstadt einzustellen. Dort droht nun 100 Arbeiter:innen die Arbeitslosigkeit – es sei denn, sie nähmen ein derzeit für alle geplantes Angebot eines Arbeitsplatzes im bayrischen Ansbach an. Die 60 Kolleg:innen, die in einer Solartechnik-Serviceeinheit arbeiten, sind nicht betroffen.

Des Weiteren wird das Göttinger Werk, in welchem 300 Arbeiter:innen beschäftigt sind, an das chinesische Unternehmen „Gotion High Tech“ verkauft. Welche Auswirkungen dies auf die Belegschaft haben wird, ist noch unklar. Der Konzern ist der drittgrößte chinesische Hersteller von Batterien und Energieübertragungssystemen und hat neben dem Werk auch alle Anteile der Robert Bosch Aftermarket Solution GmbH gekauft. In Göttingen sollen Lithium-Ionen-Batterien gefertigt werden.

Bosch ist kein Einzelfall

Neben den drei Werken hat Bosch im Zuge der Krise und der Umstrukturierung seiner Produktion bereits weitere Einschnitte an anderen Standorten angekündigt: So sollen drei Gießerei-Standorte in Hessen aufgegeben und möglicherweise verkauft werden. Die Gewerkschaften haben auch hier Proteste angekündigt.

Zudem scheint sich das Image des Unternehmens als Konzern, der immer Wert auf „Sozialverträglichkeit“ gelegt habe, immer mehr aufzulösen. Der künftige Konzernchef Stefan Hartung ist als harter „Sanierer“ bekannt.

Doch auch in der restlichen Zulieferindustrie drohen zehntausende Arbeitsplätze vernichtet zu werden. So will die ZF Friedrichshafen AG rund 15.000 und das Unternehmen Continental sogar doppelt so viele Stellen – also 30.000 – abbauen.

Bei Bosch stehen noch keine genaue Zahlen für den Stellenabbau fest – es werden wohl mindestens 3.000 Arbeiter:innen sein, die ihre Arbeit verlieren. Im Herbst werden wahrscheinlich weitere dramatische Entscheidungen in der Branche folgen.


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