Die Dating-App „Grindr“ richtet sich explizit an schwule Nutzer. Dem Anspruch nach Diskretion wird sie jedoch nicht gerecht: Das Unternehmen verkauft Geodaten, die erlauben, Nutzer zu outen.

Eine ungewöhnliche Recherche entblößte in den USA die Freigiebigkeit der App „Grindr“ mit den Daten ihrer Nutzer. Der ultra-christliche Blog „The Pillar“ hatte veröffentlicht, dass ein Priester sich in Gay Bars bewegt habe. Grundlage seiner Recherche waren Geodaten, die die App Grind vertrieb. Für diesen Priester, der bis dahin auch das Amt des Generalsekretärs der Bischofskonferenz USCCB bekleidete, bedeutete dies das Ende seiner geistlichen Laufbahn.

Die Geodaten, die Grindr verkaufte, ließen eindeutige Rückschlüsse auf eine Person zu. Grindr weist diese Vorwürfe zurück: „Es gibt absolut keine Beweise, welche die Behauptungen einer unzulässigen Datenerfassung oder -nutzung im Zusammenhang mit der Grindr-App“ unterstützen würden.

Ältere Verfahren in Norwegen

Das Unternehmen verteidigt sich nicht zum ersten Mal gegen solche Vorwürfe. Die norwegische Datenschutzbehörde hatte Grindr zu Beginn diesen Jahres mit einer Strafe in Höhe von 10 Millionen Euro belegt.  Schon im Jahr 2020 hatte eine norwegische Studie ergeben, dass Grindr verantwortungslos mit Nutzerdaten umgehe. Im Bericht heißt es auch, dass mit den Daten der Zielgruppe besondere Vorsicht geboten sei, da ein ungewolltes Outing erhebliche Konsequenzen mit sich bringen könne.

Zwangsouting kann tödliche Konsequenzen haben

Im Fall des Priesters, der nun sein Amt los ist, hatte das Zwangsouting heftige Konsequenzen. Es sind aus Deutschland aber auch Fälle bekannt, in denen Zwangsoutings noch weit schlimmere Folgen haben. So befragt derzeit das Auswärtige Amt LGBTIQ+ -Geflüchtete unangemessen detailliert nach sexuellen Vorlieben und Aktivitäten. In einigen Fällen hat das schon dazu geführt, dass deutsche Ministerien Geflüchtete in ihren Herkunftsländern zwangsouteten – ungeachtet des Risikos, dass den Geflüchteten im Fall einer Abschiebung Haft- und teils sogar Todesstrafen drohen.

LGBTI+ Geflüchtete zwangsweise durch Ministerien geoutet


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