Das Heizkraftwerk Süd in München wird umgebaut – hauptsächlich von osteuropäischen Arbeiter:innen. Diese verdienen allerdings nur knapp die Hälfte von dem, was ihre deutschen Kolleg:innen bekommen. Ein Beispiel für die systematische Ausbeutung von migrantischen Arbeiter:innen.

In München protestieren Arbeiter:innen der Stadtwerke München (SWM) – größtenteils Osteuropäer:innen. Sie arbeiten gerade am Umbau des Heizkraftwerkes Süd, bereits seit April wird dort an der Isar eine neue Turbine eingebaut. Früher wurden dort Kohle und Müll verbrannt, nun soll dort Deutschlands größte Geothermie-Anlage entstehen. Dafür haben die Stadtwerke München Firmen beauftragt, die wiederum Arbeiter:innen einsetzen, die hauptsächlich aus Polen, Kroatien und Ungarn kommen.

Einer dieser Arbeiter ist Kristof – seinen Namen hat die Münchener Abendzeitung auf seinen Wunsch hin geändert. Kristof kommt aus Ungarn, seit April hat er seine Familie nicht mehr gesehen, der er jedoch weiterhin jeden Monat Geld schickt, damit sie ihre Rechnungen bezahlen können.

Kristof befindet sich am Donnerstag um 13 Uhr, während seiner Mittagspause, auf einem Protest in München. Er hält ein Schild, auf dem steht: „Fairer Lohn – Equal Pay für Werkarbeiter bei den SWM“. Denn die osteuropäischen Arbeiter:innen bei SWM verdienen nur etwa die Hälfte von dem, was ihre deutschen Kolleg:innen bekommen. Während Osteuropäer:innen gerade einmal 9 Euro erhalten, verdienen die wenigen angestellten deutschen Facharbeiter:innen mindestens 18 Euro die Stunde, so Franz Schütz von der Gewerkschaft ver.di.

Gemeinsam mit der Gewerkschaft fordern die Arbeiter:innen einen Lohn, der deutschen Verhältnissen entspricht. Doch nicht nur die deutschen Gewerkschaften beteiligen sich. Tamás Székely, der Vorsitzende der ungarischen Chemiegewerkschaft, ist extra aus Budapest angereist, um an der Kundgebung teilzunehmen. „Ein Bier in einer Gaststätte kostet in Ungarn gerade einen Euro“, sagt Székely um zu verdeutlichen, wie viel teurer das Leben in München ist. Wenn man bedenkt, dass viele ähnlich wie Kristof noch Geld an ihre Familie senden, dann lässt sich von dem Lohn kaum leben.

In eine Gaststätte gehe er nie, sagt Kristof. Das sei viel zu teuer. “Ich lebe hier auf ganz schmalem Fuß.“ Mittags hole er sich nur schnell etwas im Supermarkt. Zeitgleich arbeitet Kristof hart, etwa zehn Stunden am Tag, sechs Tage die Woche und das, seit die Bauarbeiten im April begonnen haben. Bis Oktober wird es noch so weiter gehen.

Die Stadtwerke sehen sich in keiner Verantwortung, die Situation zu verändern, obwohl die Arbeiter:innen aus Ungarn, Polen und Kroatien an ihren Werken bauen. Die Arbeiter:innen seien in einem anderen Unternehmen angestellt, argumentieren die SWM. „Wir bitten um Verständnis, dass es uns nicht möglich ist, externen Dienstleistern Vorschriften hinsichtlich der Vergütung für deren Mitarbeiter zu machen, die über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehen“, antworten die SWM auf eine Anfrage der Münchener Abendzeitung.

Nach dem Gesetz ist der Mindestlohn fast ausreichend. In der Realität ist er wohl weder genug – noch fair.


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