Die Zahl der Studierenden und Schüler:innen aus ärmeren Familien, die im letzten Jahr mit BaföG-Geldern unterstützt wurden, ist um 6% gegenüber 2019 gesunken. Damit wird der Trend von 2018 fortgesetzt. Der Studierendendachverband forderte eine grundlegende Reform.

Im Jahr 2020 haben in Deutschland 639 000 Personen Leistungen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) erhalten. Das waren 41 000 Personen oder 6,0 % weniger als im Vorjahr. Zugleich stiegen die Ausgaben für -Leistungen um 9,2 % auf rund 2,9 Milliarden Euro. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, erhielten -Empfängerinnen und Empfänger im Jahr 2020 durchschnittlich 556 Euro pro Monat. Damit lag der durchschnittliche Förderbetrag 53 Euro oder 10,5 % höher als im Vorjahr. Dies dürfte auch mit den explodierenden Wohnkosten zu tun haben.

Durchschnittlicher Förderbetrag für Studierende bei 574 Euro 

Für die Förderung von Studierenden wurden im Jahr 2020 rund 2,2 Milliarden Euro (+256 Millionen Euro) und für die Schülerförderung 652 Millionen Euro (-16 Millionen Euro) bereitgestellt. Die Höhe des individuellen Förderbetrages ist unter anderem abhängig von der Ausbildungsstätte (zum Beispiel Berufsfachschule oder Hochschule) und der Unterbringung (bei den Eltern oder auswärts). Im Durchschnitt erhielten Studierende monatlich 574 Euro (+60 Euro), Schülerinnen und Schüler 503 Euro pro Person (+30 Euro).

Zahl der geförderten Rückläufig

328 000 Personen und damit etwas mehr als die Hälfte (51 %) der -Empfängerinnen und -Empfänger erhielten den maximalen Förderbetrag (Vollförderung). Eine Teilförderung erhielten 311 000 Personen (49 %). Diese wird geleistet, wenn das Einkommen der Geförderten oder der Eltern bestimmte Grenzen übersteigt. Die Zahl der Vollgeförderten sank im Jahr 2020 gegenüber 2019 um 5,2 %, die Zahl der Teilgeförderten um 6,9 %. Schon 2019 war der Anteil der Bafög-Bezieher:innen um 6,4% gesunken.

Zahl der BAföG-Beziehenden sinkt schon wieder – viele Studierende müssen jobben

Gerade dieser Umstand wird vom fzs, dem bundesweiter Dachverband von Studierendenschaften kritisiert. Der freie zusammenschluss von student*innenschaften (fzs) e.V. ist der überparteiliche Dachverband von Studierendenschaften in der BRD. Mit rund 80 Mitgliedern vertritt der fzs etwa 850.000 Studierende.

Dem FSZ reicht eine von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek angekündigte BaföG-Reformpläne nicht aus. „Eine Reform ist dringend notwendig“, so Iris Kimizoglu vom fzs-Vorstand. Doch mit der Lockerung der Altersgrenzen und der Regelstudienzeit kratze die Ministerin „weiterhin lediglich an der Spitze des Eisberges“. Die letzten drei Reformen seit 2008 unter CDU-Führung hätten „am Sinkflug der Förderquote und der steigenden Armut von Studierenden nichts geändert, weil die Unionsparteien sich einer Reform, die Bildungsungerechtigkeit nachhaltig entgegenwirkt, verweigern. Hierbei klammern sich die Unionsparteien an die Idee der familienabhängigen Förderungen wie an den Anker eines sinkenden Schiffes“, so Kimizoglu.

Laut Jonathan Dreusch vom fzs Vorstand müsse für eine chancengerechte Bildungsteilhabe in Deutschland das BAföG grundlegend verändert werden. „Primär gilt es, das BAföG wieder zu einem Vollzuschuss zu wandeln, die Elternfreibeträge sofort an mittlere Mittelschichtseinkommen anzupassen und das Modell mittelfristig familienunabhängig umzugestalten.“ Ob dies unter einem CDU-geführten Ministerium jedoch passiert, sei fraglich, denn dies würde bedeuten, „mit der Tradition der kleinbürgerlichen Familie zu brechen“ so Dreusch.Der fzs ist Mitglied im europäischen Studierendendachverband ESU – European Students‘ Union – und auf internationaler Ebene in der International Union of Students (IUS).


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