Der Türkei kommt einmal mehr die Rolle zu, für die EU Menschen daran zu hindern, ihr Recht auf Asyl wahrzunehmen. Während Deutschland Afghanistan noch als sicheres Herkunftsland für Abschiebungen einstufte, traf die Türkei Vorkehrungen zur Abwehr einer erneuten Fluchtbewegung.

An der türkisch-syrischen Grenze finanzierte die EU bereits 900 km Sperranlagen. Weitere 500 Kilometer sind entlang der iranisch-türkischen Grenze im Bau – schon seit 2017. Dort sollen eine Mauer mit drei Metern Höhe und ein Graben von vier Metern Tiefe Flüchtlinge abwehren.

Bis jetzt seien jedoch erst fünf Kilometer errichtet worden. Für die türkischen Tagesmedien besichtigte der Verteidigungsminister Hulusi Akar die Anlage und versicherte der Bevölkerung, dass der Grenzschutz nun Priorität habe.

Afghan:innen stellen schon jetzt die zweitgrößte Gruppe Geflüchteter in der Türkei dar. Nach offiziellen Zahlen sind es nur 140.000 Menschen, die Dunkelziffer wird jedoch erheblich höher geschätzt. In den vergangenen Tagen seien täglich rund 1.500 afghanische Geflüchtete in die Türkei gelangt.

Unterdessen wird  das Leben für syrische Geflüchtete in der Türkei zunehmend gefährlicher. Eine Mehrheit der Gesellschaft spricht sich offen dafür aus, das Geflüchtete das Land verlassen sollen. Erst in der vergangenen Woche gab es Berichte, dass mehr als tausend Personen die Heime und Ladenlokale syrisch-stämmiger Menschen in der Türkei angegriffen haben.

Der Iran seinerseits ist bestrebt, afghanische Geflüchtete „zurückzuführen“. Die türkische Regierung wirft nun  der iranischen vor, Geflüchtete an die türkische Grenze durchzuschleusen.


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