Eine neue Studie des DGB hat verschiedene Untersuchungen des deutschen Bildungssystems analysiert. Das Ergebnis: Noch immer kommen maue Leistungen mit sozialer Ungerechtigkeit zusammen.

„Alle Jahre wieder – Zur Konstanz sozialer Ungleichheit in und durch Deutschlands Schulen“ lautet der Titel einer Studie des Bildungsforschers Klaus Klemm, über die der Spiegel am gestrigen Mittwoch noch vor Veröffentlichung berichtete.

Kein Fortschritt erkennbar

Das Ergebnis: „Ein echter Fortschritt“ seit der PISA-Studie 2001 sei „nicht erkennbar“. Damals waren dem deutschen Bildungssystem eine überdurchschnittliche „Bildungsungleichheit“ gepaart mit „unterdurchschnittlichen Leistungen“ attestiert worden.

Für die Studie hatte Klemm verschiedene Untersuchungen zum deutschen Bildungssystem aus den Jahren 2000 bis 2019 ausgewertet.
In der Grundschule sei demnach eine überwiegende Stagnation, aber auch eine Verschärfung sozialer Ungleichheit bei den mathematischen und Lese-Fähigkeiten zu erkennen. Nur in den Naturwissenschaften habe es laut Klemm kleine Fortschritte ab 2007 gegeben.

Lebensweg der Eltern prägt den eigenen entscheidend mit

Beim Übergang zur weiterführenden Schule hatten 2001 Kinder von Eltern, die in „Dienstleistungsberufen“ tätig waren, eine 2,36 mal höhere Chance, eine Gymnasialempfehlung zu erhalten als Kinder aus dem „Arbeiter:innenmilieu“.
Dieser Faktor ist bis 2016 kontinuierlich auf 3,37 gestiegen. Zwar verwischt die bürgerliche Soziologie mit ihren Begrifflichkeiten die Möglichkeit eines präzisen Erkenntnisgewinns. Dennoch lässt sich schließen, dass der Lebensweg der Eltern in Deutschland den eigenen noch immer entscheidend mitprägt, und dass Kinder von Arbeiter:innen in höher qualifizierten Berufen auch selbst eher in solchen arbeiten.

In den weiterführenden Schulen zeigte sich in den ersten Jahren nach der PISA-Studie eine gewisse Abschwächung der Ungleichheit, aber auch hier begann bis 2018 wieder eine Phase der Stagnation und des Rückschritts.

Deutschland weiterhin Schlusslicht

Im Gesamtbild ergibt sich also ein ähnliches Ergebnis wie beim „Pisa-Schock“ 2001. Damals war Deutschland auf Platz 31 von 31 Ländern gelandet. Heute liegt es auf Platz 33 von 36 der teilnehmenden OECD-Staaten. Deutschland sei weiterhin eins der „Schlusslichter“, so Klemm.

Tatsächlich bleibt Deutschland damit weiterhin eines der imperialistischen Länder mit den größten sozialen Ungerechtigkeiten im Bildungssystem. Selbst innerhalb der Arbeiter:innenklasse ist es schwierig, „aufzusteigen“ und beispielsweise einen höheren Schulabschluss zu machen, als die eigenen Eltern ihn brauchten.
Auch während der Corona-Pandemie wurde das Thema immer wieder aufs Tapet gebracht, beispielsweise mit der Forderung nach gleicher digitaler Ausstattung für alle Schüler:innen, wie sie das Bündnis „Gerechte Bildung“  erhoben hatte.


Wir schreiben für Perspektive – ehrenamtlich und aus Überzeugung. Wir schalten keine Werbung und nehmen kein Geld von Staat oder Konzernen an. Hilf' uns dabei, unseren unabhängigen Journalismus zu erweitern: mit einer einmaligen Spende, einem regelmäßigen Beitrag bei Paypal, Steady oder am besten als Mitglied in unserem Förderverein.