Für den 29. Oktober hatte die IG Metall zum bundesweiten Aktionstag #Fairwandel aufgerufen. In mehr als 50 Städten wurde für Aktionen mobilisiert, die Gewerkschaft selbst bewarb im Vorfeld 14 öffentliche Kundgebungen. Mehrere zehntausend Arbeiter:innen aus verschiedenen Industriebetrieben beteiligten sich an den vielfältigen Aktivitäten. Betriebliche Aktivist:innen kritisieren dabei manch sozialpartnerschaftliche Forderungen der Gewerkschaft.

Neben den Spitzen der Gewerkschaften waren es vor allem Vertreter:innen der bürgerlichen Parteien und Minister:innen, die bei den lokalen Aktionen zu den Arbeiter:innen sprachen. Dabei stand der Aktionstag unter dem Zeichen zahlreicher Massenentlassungen und Betriebsschließungen in den vergangenen und kommenden Monaten.

Mit den Aktionen will sich die IG Metall vor allem in die laufenden Koalitionsverhandlungen einmischen: Von der künftigen Bundesregierung werden massive Investitionen in moderne Infrastruktur und Zukunftstechnologien, ein Verzicht auf Entlassungen in der Transformation, eine tragfähige Perspektive für zukunftsfähige Arbeitsplätze vor Ort anstelle von Verlagerungen ins Ausland  gefordert, sowie eine Qualifizierungsoffensive und sichere Ausbildung. Bis 2030 brauche es laut Gewerkschaft dazu öffentliche Zukunftsinvestitionen in Höhe von rund 500 Milliarden Euro. Die notwendigen Investitionen müssten durch eine „solidarische Finanzierung“ getragen werden. Wie diese Finanzierung konkret aussehen solle, konkretisierte die Gewerkschaft nicht.

„Es bedarf erheblicher Zukunftsinvestitionen in Qualifizierung, die Chance auf eine zweite Ausbildung und belastbare Brücken in die neue Arbeitswelt – etwa durch ein Transformationskurzarbeitergeld. Wir sagen: Es muss gerecht zugehen im Wandel. Und dies verlangt Sicherheit für die Beschäftigten und faire Lastenverteilung“, so Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall zu den Forderungen seiner Gewerkschaft.

Auch zahlreiche linke Gruppen riefen zur Teilnahme am Aktionstag auf, stehen den sozialpartnerschaftlichen Forderungen der Gewerkschaft aber ablehnend gegenüber. So heißt es in einem Aufruf zum Aktionstag durch „Betriebskampf – Netzwerk für Solidarität und Widerstand im Betrieb“: „Die Kapitalist:innen der großen Monopole haben durch die Ausbeutung unserer Arbeitskraft in den vergangenen Jahrzehnten Milliarden Gewinne eingefahren. Und nun sollen wir mit Lohnverzicht, längeren Arbeitszeiten, Beschneidung von Alterssicherung, Werksschließungen und Massenentlassungen für die Einführung neuer Technologien bezahlen. Wir sagen NEIN!

Statt Bitten an die zukünftige Regierungskoalition zu stellen und einen „fairen Interessensausgleich“ zwischen Monopolen und uns als Arbeiter:innenklasse zu fordern, müssen wir gegen die Abwälzung der Kosten der Krise auf unseren Rücken kämpfen! Überall dort, wo die Angriffe des Kapitals auf uns treffen, müssen wir uns zusammenschließen und diese Angriffe mit Streiks beantworten.“

Und die „Vernetzung für kämpferische Gewerkschaften“ sagt in ihrem Flugblatt zum Aktionstag unmissverständlich: „Es gibt keinen fairen Wandel! Nur wenn wir uns aktiv wehren, können wir etwas erreichen!“ und ruft zur aktiven Vernetzung der Kolleg:innen in den von Entlassungen und Schließung bedrohten Betrieben auf.

Der gesamte Aktionstag ist Teil einer zweiwöchigen „Europäischen Aktion für einen gerechten Strukturwandel“ unter dem Motto „Just Transition“ des Dachverbands der europäischen Industriegewerkschaften, „IndustriAll Europe“, an dem sich Mitgliedsorganisationen auf dem ganzen Kontinent beteiligen.


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