Die Prognosen des statistischen Bundesamts über die Lohnentwicklung zeigen deutlich: Im Durchschnitt werden unsere Löhne deutlich sinken. Eine Allianz von Kapitalist:innen bis Gewerkschaften gibt das nicht gerne zu. – Ein Kommentar von Paul Gerber

Die Prognose des Statistischen Bundesamts über die durchschnittliche Lohnentwicklung im Jahr 2021 ist da, und für uns Arbeiter:innen ist es keine gute Prognose. Zwar sind die Entwicklungen aus dem letzten Quartal noch nicht einberechnet, aber sie werden das Ergebnis wohl kaum nach oben korrigieren: 1,3% Lohnsteigerungen erwartet das statistische Bundesamt für 2021 im Durchschnitt.

Demgegenüber steht eine prognostizierte Steigerung der Verbraucherpreise um 3% – wohlgemerkt für das ganze Jahr im Durchschnitt. Denn zuletzt lag die Preissteigerung ja bekanntlich bereits deutlich über 5%.

Es kann einem nur die Zornesröte ins Gesicht treiben, wenn im Angesicht dieser saftigen Lohnsenkungen für die ganze Arbeiter:innenklasse Wirtschaftswissenschaftler:innen, Unternehmensvorstände, aber eben auch Gewerkschaftsvertreter:innen die von ihnen verhandelten Tarifabschlüsse schön reden.

Oft wird dabei behauptet, Lohnsenkungen unter der Preissteigerung würden ja durch Corona-Prämien ausgeglichen. Aber diese Corona-Prämien gleichen überhaupt nichts aus! Sie sind eben ein einmaliger Bonus. Selbst wenn sie – bezogen auf ein Jahr – vielleicht  rechnerisch und punktuell den Reallohnverlust ausgleichen oder abschwächen, tun sie das eben nicht auf Dauer.

Auf Dauer wird das Lohnniveau nach unten abgesenkt. Aber die Chefs der großen Gewerkschaften reden derartige Ergebnisse lieber als “respektables Ergebnis” schön (ver.di-Chef Frank Werneke zum Abschluss in der Tarifverhandlung der Länder), statt klar auszusprechen, dass man sich hier auf eine dauerhafte Reallohn-Senkung eingelassen hat.

Auch die Prognosen des statistischen Bundesamts, dass in irgendeiner nebulösen Zukunft deutliche Lohnsteigerungen kommen würden, sind nicht mehr als Schall und Rauch. Für das nächste Jahr jedenfalls prognostizieren sie ja schon jetzt klipp und klar, dass es mit den Lohnsenkungen weiter gehen wird. Sie erwarten eine noch krassere Teuerung als schon dieses Jahr (3,3%) und versprechen uns Lohnerhöhungen von gerade mal 2,4%.

Ob diese Prognose – wie so viele andere – nicht dann noch durch eine für uns deutlich unangenehmere Realität überholt wird, steht dabei noch auf einem anderen Blatt. Nicht zuletzt wird es davon abhängen, ob wir uns kollektiv diese Lohnsenkungen gefallen lassen, oder ob wir Widerstand entwickeln und durchsetzen, dass unsere Löhne mindestens an die Teuerung unserer Lebensmittel angepasst werden.


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