Die Landwirtschaft ächzte in den letzten Jahren unter dem Klimawandel und seinen Auswirkungen. Nun kommt ein neues Problem auf die Landwirte hinzu: Teuerungen und Inflation.

In den letzten Jahren, allen voran die Jahre 2019 und 2020, sorgten Dürreperioden für heftige Trockenheit. Trotz des regenreichen und vergleichsweise milden Wetterverlaufs in diesem Jahr, benötigt der Boden an mancher Stelle noch gut 500 Liter Wasser/qm extra. Die fehlende Menge variiert von Region zu Region, zeigt jedoch sehr gut auf, dass sich der Boden nicht innerhalb eines Jahres erholen konnte.

Doch es gibt neue Probleme: Nicht nur in Supermärkten und an Tankstellen steigen die Preise, auch auf die landwirtschaftlichen Betriebe kommen Mehrausgaben und höhere Produktionskosten zu. Viele der landwirtschaftlichen Maschinen werden mit Diesel betrieben. Dabei geht es nicht nur um den Traktor, der regelmäßig auf den Feldern fährt, sondern auch um die Transportwege der Waren.

Anfang des Monats machte das Bündnis #NichtaufunseremRücken in vielen Städten auf die Teuerung unter anderem bei den Gemüse- und Energiepreisen aufmerksam. Noch während dieser Aktionswoche vermeldeten die ersten Agrar- und Produktionsbetriebe, dass die derzeitigen Preise für Dünger extrem hoch seien. Auch das ist ein Ausdruck der aktuellen massiven Preissteigerungen und kann einen sehr langen Rattenschwanz nach sich ziehen. Am bitteren Ende könnten dadurch auch die Preise in den Supermärkten noch weiter ansteigen.

Um Stickstoffdünger herzustellen, wird Gas benötigt. Die derzeitigen Gas-Preise lassen die Kosten für Dünger derzeit explodieren. Darum kaufen die landwirtschaftlichen Betriebe nur sehr vorsichtig ein, weil sie hoffen, dass die Preise bald wieder sinken werden. Nach derzeitigem Stand ist der Dünger dreimal so teuer wie sonst. Die zurückgehende Nachfrage sorgt dafür, dass wiederum weniger Dünger produziert wird. Doch was an dieser Stelle nach Umweltfreundlichkeit klingen mag, kann große Auswirkungen auf die Lebensmittelpreise haben: Die Düngemittelknappheit kann die Erträge auf den Feldern drastisch reduzieren und die Lebensmittelpreise explodieren lassen. Auch könnten die Landwirte versuchen, gestiegene Dünger-Kosten über die Preise der Produkte an die Verbraucher:innen weiterzugeben.

„Also es kann durchaus passieren, dass wir im nächsten Jahr weniger ernten. Das heißt also, die Ernte ist kleiner. Die Qualitäten, die wir fürs Brotgetreide brauchen, sind nicht da. Wir können also kein Brotgetreide zur Verfügung stellen. Und das kann auch dazu führen, dass wir im nächsten Jahr weniger Mehl haben zum Brot backen.“, bestätigt Olaf Feuerborn (CDU) vom Bauernverband Sachsen-Anhalt.

Mit derartigen Auftritten in der Presse bereitet der Bauernverband offensichtlich den Boden, um seinerseits Produktsteigerungen durchzusetzen. Ob dies gegenüber den Großabnehmern aus dem Lebensmittel-Einzelhandel und der Agrarindustrie gelingt, ist zwar eine andere Frage, weiter in die Höhe schnellende Lebensmittelpreise für die Kunden im Supermarkt scheinen aber so oder so sehr wahrscheinlich zu sein.


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