Die USA, Australien, Indien und Japan wollen Chinas Einfluss in Ostasien eindämmen. Ein zentrales gemeinsames Projekt ist die Schaffung eines Gegenmodells zur „Neuen Seidenstraße“. Jetzt haben sich die Außenminister der “Quad-Staaten” in Melbourne getroffen. Das Bündnis bekennt sich dabei zur militärischen Aufrüstung von Verbündeten in der Indopazifik-Region.

Während alle Welt auf die Ukraine blickt, macht die US-Regierung deutlich, dass sie ihren strategischen Fokus nicht aus dem Auge verliert. Mitten in einer der schwersten internationalen Krisen seit dreißig Jahren ist US-Außenminister Blinken ins australische Melbourne gereist und hat dort seine Kollegen aus Australien, Indien und Japan getroffen.

Die sogenannten „Quad“-Staaten (deutsch: „quatrilateraler Sicherheitsdialog“) wollen ihre Zusammenarbeit in der Indopazifik-Region weiter vertiefen. Vordergründig geht es dabei um wirtschaftliche Kooperation, Informationsaustausch und gemeinsame Forschungsprojekte. Das eigentliche Ziel des Bündnisses ist es jedoch, Chinas Einfluss in der Region einzudämmen. Die USA und ihre Verbündeten wollen nicht weniger als ein westliches Gegenmodell zur „Neuen Seidenstraße“ schaffen – dem 3,7-Billionen-Dollar-Megaprojekt, mit dem Peking weite Teile Eurasiens und anderer Kontinente wirtschaftlich und technologisch durchdringen will.

Zu diesem Zweck hatten die Quad-Staaten bei einem Gipfeltreffen in Washington im vergangenen September Vereinbarungen in einer Reihe von strategischen Handelsfragen getroffen. Dazu gehören die Neuordnung der Lieferketten von Computerchips, der Aufbau einer von China unabhängigen 5G-Mobilfunktechnologie und die gemeinsame Produktion von Corona-Impfstoffen.

Anti-China-Allianz: „Quad“-Staaten treffen sich in Washington

In einer gemeinsamen Erklärung bekannten sich die Quad-Außenminister – Joe Biden und seine Amtskollegen aus Indien, Japan und Australien – nun dazu, gegen wirtschaftspolitische „Zwangsmaßnahmen“ in der Region vorzugehen – was als klare Spitze gegen Chinas wirtschaftliche und militärische Expansion gewertet wurde. Die vier Staaten wollen ihre Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Pandemiebekämpfung, des Kampfes gegen Cyberbedrohungen und Terrorismus vertiefen. Zudem verurteilten sie die jüngsten nordkoreanischen Raketentests.

Nordkorea: Wachsende Spannungen nach neuen Raketentests

Die Zusammenarbeit der Quad-Staaten beschränkt sich jedoch nicht auf zivile Themen. Wie Australiens Außenministerin Payne nach dem Treffen erklärte, wollen die vier Länder zudem verbündete Staaten in der Region militärisch aufrüsten. Erst vor wenigen Tagen kündigte Indonesien an, amerikanische und französische Kampfflugzeuge im Wert von 22 Milliarden Dollar zu kaufen. Das Quad-Bündnis hat im vergangenen Jahr außerdem damit begonnen, gemeinsame Seemanöver im Indopazifik durchzuführen.


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