`
Sonntag, Mai 26, 2024
More

    Antirussischer Rassismus nimmt stark zu – und die deutschen Medien tragen eine Mitschuld daran

    Teilen

    Das Bundeskriminalamt verzeichnet eine starke Zunahme an Straftaten gegen russische aber auch ukrainische Menschen. Rund 200 Straftaten pro Woche, die Mehrzahl davon ist antirussisch motiviert. Die deutschen Medien tragen an dem steigenden Rassismus gegen Russ:innen eine Mitschuld. – Ein Kommentar von Michelle Mirabal

    Laut dem BKA-Chef Holger Münch reicht die steigende Anzahl an Straftaten von Beleidigungen, Bedrohungen und Sachbeschädigungen bis hin zu körperlichen Angriffen. Beispiele sind Sachbeschädigungen an russischen Lebensmittelläden, die Brandlegung an einer russischen Schule oder der Angriff auf eine russisch-orthodoxe Kirche.

    Trotz dem offen rassistischen Motiv hinter diesen Angriffen fällt dem Bundesinnenministerium nichts anderes ein, als diese Angriffe zu verharmlosen. Sie warnen in diesem Zusammenhang vor Falschmeldungen und übertriebenen Darstellungen aufgrund von russischer Propaganda. Ein Sprecher sagt dazu „Die angebliche Russlandfeindlichkeit wird bemüht, um von russischen Einflussnahmeaktivitäten im Ausland abzulenken und Kritiken daran als irrational zu diffamieren“. Der Sprecher nennt die rassistischen Angriffe hier also „Kritik“ und „angebliche Russlandfeindlichkeit“

    Deutsche Medien tragen Mitschuld an dem Rassismus

    Hier wird nicht im Ansatz der Rassismus erwähnt. Diese Aussage reiht sich genau dort ein, wo die rassistische Stimmung gegen Russ:innen herkommt. Die deutsche Medienlandschaft macht seit beginn des Krieges massiv Stimmung nicht nur gegen die russische Regierung, sondern gegen was russisch ist, darunter eben auch alle aus Russland stammenden Menschen.

    Dabei steht letztendlich keine differenzierte Kritik an dem von Russland geführten Krieg im Vordergrund, sondern das Schüren von Hass und die Wegbereitung für die massive Aufrüstung Deutschlands. Immer wieder wird dabei pauschalisierend von „den Russen“ gesprochen. Dabei fallen Wörter wie „Russen-Manipulation“, „Russen-Raketen“ und Artikel-Überschriften wie „Wir sterben, weil uns die Russen aushungern“.

    Narrativ der bösen und gefährlichen Russ:innen

    Spätestens seit dem deutschen Faschismus und dem Sieg der damaligen Sowjetunion über ihn, herrscht das Narrativ der „bösen Russ:innen“ in Deutschland. Wir alle haben schon einmal den Satz „Die Russen kommen!“ als vermeintlichen „Witz“ gehört. Dieses Narrativ wird nun ohne Probleme wieder ausgepackt.

    Hierzu muss deutlich gesagt werden: Dieser Krieg ist nicht im Sinne der Arbeiter:innen, egal ob der russischen oder ukrainischen. Die Arbeiter:innen beider Länder werden in einen Krieg geschickt den sie nicht wollen. Das zeigen viele Tausende die Russ:innen in Russland alleine durch ihre großen Antikriegsgproteste.

    Auch werden Menschen nicht durch „die Russen“ ausgehungert. Die russischen Arbeiter:innen haben selbst massive Probleme über die Runden zu kommen. Wir sollten uns also nicht gegen die Russ:innen stellen, sondern vereint als Arbeiter:innen gegen diesen Krieg vorgehen. Das heißt auch, dass wir uns nicht auf die Seite des einen oder anderen Staatschefs, dem ein oder anderen kapitalistischen Staat stellen, sondern auf die Seite der Arbeiter:innenklasse. Denn durch diesen und auch jeden anderen Krieg leidet die Arbeiter:innenklasse, in Russland, der Ukraine aber auch in anderen Teilen der Welt.

    Mehr lesen

    Perspektive Online
    direkt auf dein Handy!

    Weitere News