Die Kampagne “Nos faltan las 17” feiert die Entlassung aus der Haft von Glenda und Maria. Sie waren zwei von unzähligen Frauen, denen nach Komplikationen in der Schwangerschaft ein verbotener Abbruch vorgeworfen wurde. Die Gerichte verurteilten sie zu jahrzehntelangen Haftstrafen. Nun wollen sie in Freiheit weiter für Gerechtigkeit kämpfen.

“Wir feiern, weil Maria nach neun Jahren zu Unrecht im Gefängnis endlich nach Hause zurückkehrt.”, erklärt die Kampagne “Nos faltan las 17!” [z.Dt.: Uns fehlen die 17!]. Auch Glenda konnte das Gefängnis verlassen, nachdem sie mehr als neun Jahre lang zu Unrecht inhaftiert war.

Ein Richter hatte sie im Jahr 2013 zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt. Sein Anlass war, dass die damals 19-Jährige nach heftigen Bauchschmerzen im Krankenhaus erfuhr, dass sie schwanger gewesen war. Daraufhin klagte man sie wegen Abtreibung an, die in El Salvador vollständig verboten ist. Trotz mangelnder Beweise verurteilte das Gericht sie wegen Mordes.

Ähnlich ging es der Maria, die mit 32 Jahren eine Totgeburt in der frühen Schwangerschaft erlebte. Auch sie wusste zu dem Zeitpunkt nichts von der Schwangerschaft und wurde direkt aus dem Krankenhaus den Justizbehörden übergeben. Auch in ihrem Fall konnte die Staatsanwaltschaft nicht beweisen, dass Maria einen illegalen Abbruch durchgeführt hatte. So warf sie Maria vor, dass sie nicht ausreichend umsichtig in ihrer Schwangerschaft gewesen und die Fehlgeburt provoziert gehabt habe.

Die Frauen sind vorerst nicht in Sicherheit, da sie trotz der Entlassung aus der Haft keinen Freispruch erhalten haben. Stattdessen entschieden die Behörden unter den Bedingungen des aktuellen Ausnahmezustands, in dem sich das Land befindet, für eine vorzeitige Entlassung. Obwohl ihnen keine Straftat nachgewiesen wurde, gelten sie als vorbestraft und können erneut Opfer von Behördenwillkür werden.

Die Fälle von Frauen, die Repressionen erleben, nachdem ihre Schwangerschaften kompliziert verlaufen, sind unzählige.

El Salvador: Freispruch nach Mordvorwurf wegen Totgeburt

“Die Freilassung jeder Einzelnen weist erneut auf die Ungerechtigkeit gegenüber diesen Frauen hin, die aufgrund von Schwangerschaftskomplikationen kriminalisiert wurden, einfach nur, weil sie Frauen sind, in Armut leben und sich nicht verteidigen können”, erklärt Morena Herrera, Vorsitzende der Bewegung für die Entkriminalisierung der Abtreibung.


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