Evelyn Hernandez war nach einer Vergewaltigung schwanger. Bis zum Zeitpunkt der Geburt, bei der das Kind tot zur Welt kam, wusste sie das nicht. Dennoch wurde ihr vorgeworfen, eine Abtreibung durchgeführt zu haben. Dafür sollte sie zu 30 Jahren Haft verurteilt werden.

Vor dem Gericht in El Salvador jubelten am vergangenen Montag hunderte Frauen. Das Urteil, das für die 21-jährige Evelyn Hernandez 30 Jahre Haft bedeuten sollte, wurde gekippt und Hernandez freigesprochen. Nach einer Totgeburt war sie des Mords angeklagt gewesen, denn man warf ihr vor, eine Abtreibung veranlasst zu haben. Die Schwangerschaft war ihr lange nicht bekannt und das Resultat einer Vergewaltigung durch ein Gangmitglied. ÄrztInnen hatten sie nach der Totgeburt bei Behörden gemeldet.

Zum Zeitpunkt des Freispruchs hatte Hernandez schon drei Jahre im Gefängnis verbringen müssen. Das Urteil hat international Aufmerksamkeit auf sich gezogen und für Protest gesorgt. Schilder, mit denen Frauen vor Gericht das Urteil erwarteten, forderten „Gerechtigkeit für Evelyn“ und Freiheit für andere Frauen, die wegen Abtreibung bestraft wurden.

Unter Tränen erklärte Hernandez vor dem Gericht: „Glücklicherweise siegte die Gerechtigkeit. Aber es sind noch viele Frauen hinter Gittern und ich fordere, dass auch sie bald befreit werden.“ In den letzten Jahren wurden 147 Frauen in El Salvador zu Haftstrafen bis zu 40 Jahren verurteilt, weil sie Abtreibungen durchgeführt haben sollen. Frauen, die bei Hausgeburten eine Totgeburt erleben, sind immer wieder Opfer solcher Anklagen.