Eine niederländische Gewerkschaft prangert an, dass sich ein landwirtschaftlicher Großbetrieb des Menschenhandels schuldig macht: Mehreren ukrainischen und polnischen Leiharbeiter:innen drohen Geldstrafen und sogar Abschiebung, wenn sie sich mit niederländischen Kolleg:innen über ihre Arbeitsbedingungen austauschen.

Über die polnische Leiharbeitsagentur “Janpol” sind 30 Ukrainer:innen in niederländischen Gewächshäusern beschäftigt. Wie der “CNV” (Christelijk Nationaal Vakverbond – evangelischer, zweitgrößter Gewerkschaftsbund der Niederlande) berichtet, droht den Arbeiter:innen im härtesten Fall eine Abschiebung, wenn sie sich über die Arbeitsbedingungen beschweren. Die 30 ukrainischen Geflüchteten arbeiten derzeit in Gewächshäusern der Gärtnerei “Vreugdenhil Bulbs & Plants in ’s-Gravenzande” in Westland.

Sie haben für diesen Arbeitseinsatz einen dreimonatigen Arbeitsvertrag mit Janpol. Dieser Vertrag, der der CNV vorliegt, soll außerdem beschreiben, dass ein Teil des Gehalts für Transport, Dokumente und Unterkunft einbehalten wird. Die Summe ist nicht konkret beziffert. Jede:r Beschäftigte soll am Anfang des Monats 50 Euro “Verwaltungsgebühren” an das Unternehmen entrichten.

Besonders brisant ist im Vertrag auch eine Liste mit Verboten, deren Verstoß mit einer Geldstrafe belegt ist: “Es ist verboten, direkten Kontakt mit anderen Arbeitnehmern eines niederländischen Unternehmens zu haben, insbesondere in arbeitsrechtlichen Fragen. Ein Verstoß gegen diese Regel wird mit 500 € geahndet.”, heißt es unter anderem im Vertrag. “Eine der skandalösten Klauseln des in gebrochenem Niederländisch geschriebenen Vertrags ist, dass ein Verstoß gegen die Regeln zur ‚Abschiebung in die Ukraine und zu einem Einreiseverbot in EU-Länder führen kann‘. Mit anderen Worten, die Ukrainer können in den Krieg zurückgeschickt werden”, schrieb das niederländische Nachrichtenportal NOS zu der Angelegenheit.

RTL Nieuws sprach mit einer der Arbeiterinnen: “Von unserem Gehalt wird ein Betrag für Steuern, aber auch für unsere Unterkunft und den Transport abgezogen. Wir wissen nicht, wie viel das ist. Von Leuten, die schon länger für Janpol arbeiten, hören wir, dass jeder für die gleiche Arbeit einen anderen Lohn bekommt.”.

Die Gewerkschaft ist überzeugt davon, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt. Sie fordert deswegen die Regierung und auch die Gemeinden auf, gegen den “humanitären Notfall” vorzugehen.


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