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Dienstag, April 16, 2024
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    US-Polizei nutzt Daten von Digitalkonzernen zur Massenüberwachung

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    Seit Snowden und den Enthüllungen zur NSA ist die geheimdienstliche Massenüberwachung allen bekannt. Nun kommt heraus, dass selbst die Polizeibehörden in den USA den Überwachungsdienst eines Privatunternehmens nutzen.

    Als im Jahr 2013 der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden das bis dahin unbekannte Ausmaß der Überwachung aufdeckte, ging ein Schock durch die Länder. Snowden deckte ein System der massenhaften Überwachung auf, das bis nach Deutschland und darüber hinaus reicht. Auch wenn die große Mehrheit der Menschen nicht mit der Überwachung einverstanden war, wurde die Überwachung nicht abgeschafft. Nun kommt heraus, dass selbst die Polizeibehörden vergleichbare Dienste zur Massenüberwachung nutzen.

    Konkret geht es um die Dienste des Unternehmens „Fog Data Science“. Das Geschäft des Unternehmens besteht darin, rohe Geolokalisierungsdaten zu kaufen, die ursprünglich von Anwendungen gesammelt wurden, die Menschen täglich auf ihren Smartphones und Tablets verwenden. Diese Anwendungen sammeln Standortdaten darüber, wo sich ihr Telefon zu einem bestimmten Zeitpunkt befindet, und verkaufen sie an Datenhändler, die sie wiederum meist an Werbetreibende oder Vermarkter verkaufen, die versuchen, ihnen auf der Grundlage ihres Standorts Werbung zu präsentieren. Hier kommt Fog ins Spiel.

    Laut den vom Unternehmen erstellten Dokumenten kauft Fog „Milliarden von Datenpunkten“ von etwa „250 Millionen Geräten“ in den Vereinigten Staaten, die ursprünglich von „Zehntausenden“ von Apps und mobilen Anwendungen stammen. Gegen eine Abonnementgebühr, die viele Strafverfolgungsbehörden gerne zahlen, bietet Fog dann Zugang zu einer riesigen, durchsuchbaren Datenbank mit den Aufenthaltsorten von Personen.

    Damit können die Polizeibehörden etwa per Mausklick feststellen, wer sich zu welcher Zeit an einem bestimmten Ort aufgehalten hat. So könnten sie etwa bei einem Protest die IDs aller Anwesenden sammeln, ihnen digital nach Hause folgen und sie dann in – welcher Form auch immer – für ihren Protest bestrafen. Oder sie könnten Anwält:innen oder Journalist:innen folgen und die IDs der Gesprächspartner:innen sammeln – besonders dann brisant, wenn es sich etwa um Whistleblower:innen handelt.

    Das Unternehmen Fog verlangt dabei keine Form von richterlichem Beschluss für diese tief gehenden Eingriffe. Man argumentiert, dass die Daten ja sowieso nur anonymisiert weitergegeben und genutzt werden. Das komme daher, dass man ja nur die IDs der Geräte sieht und nicht direkt den Namen der Person.

    Es stimmt zwar, dass nur die IDs weitergegeben werden, allerdings lassen sich solche IDs sehr einfach de-anonymisieren. Forscher:innen haben bereits vor 10 Jahren gezeigt, dass alleine 4 Standortdatenpunkte (wann ist eine ID wo genau) ausreichen, um 95% der Menschen zu identifizieren.

    Diese neuen Enthüllungen führten nicht gerade zu einem neuen politischen Erdbeben, wie es die Nachrichten über die Massenüberwachung durch die NSA etc. taten. Zivilgesellschaftliche Organisationen appellieren deshalb nun an die Menschen, sich selbstständig vor dieser Art der Massenüberwachung zu schützen. Dies könne man tun, in dem man Werbung auf seinen Geräten blockiert und in den Geräteeinstellungen das Werbetracking ausschaltet.

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