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Mittwoch, April 17, 2024
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    Ukraine-Krieg: Anschlag auf Krimbrücke

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    Die einzige Brücke zwischen Russland und der Halbinsel Krim ist am Samstag bei einem Bombenanschlag schwer beschädigt worden. Die ukrainische Regierung räumte zwar keine Verantwortung für den Angriff ein, feierte ihn aber demonstrativ. Erst kürzlich hatte es einen Sabotage-Akt auf die Nordstream-Pipelines zwischen Russland und Deutschland gegeben. Ein Bundeswehr-General warnt nun vor einer hybriden Kriegsführung auch in Deutschland.

    Bei einer Bombenexplosion ist die Krim-Brücke am frühen Samstagmorgen schwer beschädigt worden. Sie bildet bislang die einzige Verbindung zwischen dem russischen Festland und der Halbinsel im Schwarzen Meer und ist eine der wichtigsten Versorgungsrouten für die russischen Streitkräfte in der Südukraine. Die Schaffung einer Landverbindung zur Krim ist ein zentrales Kriegsziel Russlands in der Ukraine.

    Laut russischen Angaben hat eine LKW-Bombe sieben mit Treibstoff beladene Eisenbahnwaggons in Brand gesetzt. Hierdurch sei es zum teilweisen Einsturz von zwei Brückenabschnitten gekommen. Das 19 Kilometer lange Bauwerk besteht aus einer Straßen- und einer Eisenbahnbrücke und war 2019 fertiggestellt worden.

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    Während das russische Energieministerium mitteilte, es drohten trotz des verbrannten Diesels keine Engpässe bei der Treibstoffversorgung der Krim, feierte der ukrainische Kriegsgegner den Anschlag demonstrativ. Der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak schrieb auf Twitter, dies sei „der Anfang“.

    Eine direkte Verantwortung für das Attentat übernahm die ukrainische Staatsführung zwar nicht. Gleichwohl gibt es auch unter westlichen Beobachter:innen kaum einen Zweifel daran, dass die Ukraine diesen Angriff durchgeführt hat. Die Beschädigung der Brücke verhindert nun die Versorgung der russischen Truppen auf der Krim mit Nachschub. Schon lange vor der Eskalation des Ukraine-Kriegs im Februar hatte die ukrainische Regierung zudem das Ziel ausgegeben, die 2014 von Russland annektierte Halbinsel zurückerobern zu wollen.

    Der Angriff befeuert auch in Deutschland die Debatte über die Ausweitung der hybriden Kriegsführung in Europa. Unter diesem Begriff wird die Vermischung von regulären und irregulären kriegerischen Mitteln verstanden, also etwa die Ergänzung eines konventionellen Kriegs mit Armeen durch Cyberangriffe und Terroranschläge. Erst vor wenigen Wochen waren die Nordstream-Pipelines in der Ostsee, mit denen bislang russisches Gas nach Deutschland befördert wurde, offenbar durch Anschläge beschädigt worden.

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    Carsten Breuer, Befehlshaber des Territorialen Führungskommandos der Bundeswehr, warnte deshalb gegenüber der Bild am Sonntag vor zunehmenden Angriffen auf die Infrastruktur in Deutschland: „Jede Umspannstation, jedes Kraftwerk, jede Pipeline“ könne attackiert werden und ein mögliches Ziel sein. „Wir stellen uns hier im Kommando vor allem auf hybride Bedrohungen ein. Das ist der Zustand zwischen nicht mehr ganz Frieden, aber auch noch nicht richtig Krieg.“.

    Als konkrete Risiken nannte Breuer „Einflussnahmen, mit Anschlägen auf Insfrastruktur und mit Cyberangriffen, oder zum Beispiel Aufklärungsflüge mit Drohnen über Kasernen“. Unmittelbarer Anlass für Breuers Warnung war ein mutmaßlicher Sabotageakt gegen das deutsche Bahnnetz, bei dem ebenfalls am Samstagmorgen der gesamte Zugverkehr im Norden Deutschlands für mehrere Stunden lahmgelegt wurde.

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