Im südhessischen Idstein, im Rheingau-Taunus-Kreis, haben Polizist:innen versucht ihre eigene Polizeigewalt zu verdecken. Nun sind sie nach Sichtung des Materials einer Überwachungskamera gescheitert.

Liam Conway wollte am 9. September 2020 seinen Vater aus der Polizeiwache in Idstein abholen. Dieser war wegen eines Verkehrsdelikts auf der Wache. Nur wenig Zeit später liegt Liam, von vier Polizist:innen umzingelt, vor der Wache. Er liegt auf dem Boden und blutet am Kopf. Wie es dazu gekommen war, wurde Ermittlungsobjekt der Staatsanwaltschaft.

Im Polizeibericht ist zu lesen, dass Liam einen Polizeibeamten weggeschubst hätte, aggressiv aufgetreten sei und versucht habe ein Pfefferspray zu klauen. Außerdem soll der Kickboxer versucht haben, eine Polizistin zu schlagen. Die Glaubwürdigkeit dieser Aussagen ließen jedoch Zweifel zu.

Fakt ist nämlich, dass Liam sich nach Aufforderung aus dem Polizeirevier begab und circa zwei Meter Abstand zur Tür hielt. Daraufhin stürmten die Polizist:innen aus der Station. Ein Polizist nahm ihn von hinten in den Würgegriff und brachte ihn zu Boden. Die Polizist:innen fixierten daraufhin Liam brutal und drehten ihn dabei seine Arme um. Daraufhin erhielt Liam einen Faustschlag ins Gesicht. Danach wurde sein Kopf mit der flachen Hand zu Boden gedrückt.

Liam leidet zudem an einer chronischen Lungenerkrankung und habe noch „ah, ah, ich krieg’ keine Luft! Bitte, bitte!“ und „Ich krieg’ Panik!“ geschrien.

Polizist:innen vernichten Videomaterial

Die ganze Aktion wurde von einer Überwachungskamera gefilmt. Einige Zeit nach der verstörenden Polizeigewalt haben die Polizist:innen das Video der Überwachungskamera gesichtet und überschrieben. Nachdem sich Liam Conway und die Polizist:innen gegenseitig anzeigten, sollte auch das Überwachungsvideo zur Hilfe gezogen werden.

Doch das Überwachungsvideo wurde „wie technisch voreingestellt, nach 21 Tagen systembedingt und automatisiert durch neue Aufzeichnungen überschrieben“, wie das Polizeipräsidium Westhessen 2021 feststellte.

Da der Vorfall allerdings auch den Medien Aufmerksamkeit erhielt, kümmerte sich die Staatsanwaltschaft Wiesbaden darum die Daten wiederherzustellen bzw. zu rekonstruieren. Die Bilder auf dem Videomaterial machen eins klar: die Darstellungen von Liam Conway stimmen mit dem Material überein – die der Polizist:innen nicht.

Es ist „schockierend und verstörend“, wenn Polizist:innen „die Rechtsordnung brechen, auf die sie vereidigt sind“, so Liam Conways Anwalt, Michael Heuchemer.


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