`
Dienstag, März 5, 2024
More

    Firma für Wahlmanipulation und Desinformation entlarvt – geführt von israelischen Ex-Geheimdienstlern

    Teilen

    Für Millionen Euros schürten sie soziale Unruhen vor Wahlen oder leakten gefälschtes Material, um Politiker zu kompromittieren: Solche Dienstleistungen wurden jahrzehntelang von einer israelischen Firma aus der Geheimdienstwelt angeboten. Bereits 2021 wurde bekannt, dass das, ebenfalls aus Israel stammende, Unternehmen NSO seine Spyware auch international verkaufte, um Oppositionelle und Journalist:innen zu verfolgen.

    Ein internationaler Verbund aus Journalist:innen hat nun seine Recherchen zu systematischer Wahlmanipulation durch eine israelische Firma unter dem Namen „Strorykillers“ veröffentlicht. Demnach soll ein Unternehmen mit dem Namen „Team Jorge“ für Geheimdienste und Privatleute Kampagnen zur Desinformation und Wahlmanipulation organisiert haben. Als führende Köpfe des Unternehmens werden Personen mit engen Verbindungen zu israelischen Geheimdiensten und Militärs genannt:

    • Führender Kopf soll Tal Hanan alias „Jorge“ sein. Dieser war ein hochrangiger Sprengexperte und stellvertretender Leiter zur Beseitigung von Sprengkörpern beim israelischen Militär.
    • Mashy Meidan alias „Max“ gilt laut Spiegel als „Veteran der israelischen Nachrichtendienste, einst offenbar beteiligt an wichtigen Operationen“.
    • Zohar Hanan, der für eine israelische Sicherheitsfirma arbeitete.
    • Ilhan Mizrahi, vormals Vizechef des israelischen Geheimdienstes Mossad. Laut Hanan soll er im „Aufsichtsrat“ von „Team Jorge“ sitzen.

    Alle Genannten bestreiten ihre Aktivität für das Unternehmen. Doch drei Journalisten hatten sich als Mittelsmänner eines anonymen Auftraggebers ausgegeben, der vorgeblich eine Wahl in einem zentralafrikanischen Staat manipulieren wollte – und haben alle Gespräche mitgeschnitten: Darunter fanden sich systematische Darstellungen der eigenen Strategien des Unternehmens.

    Wahlmanipulation könne z.B. dadurch geschehen, dass man am Wahltag die Logistik lahmlege, indem man beispielsweise Computer zum Absturz bringe. Anschließend solle mit gegenseitigen Vorwürfen Chaos gestiftet werden. Dafür würden Social-Media-Konten verwendet, die über ein eigenes Programm angelegt werden könnten.

    Als Angriffe, die der Gruppe zugeordnet werden können, wurden in der israelischen Zeitung Haaretz unter anderem genannt: Hacking-Angriffe zur Verhinderung der Wahl von Hugo Chavez 2012, ein Angriff auf die Abstimmung zur Unabhängigkeit Kataloniens 2014 oder Falschinformationen über die Befreiungsbewegung Westsaharas. Auch wurde für den Weiterbetrieb von Atomanlagen in Kalifornien Stimmung gemacht.

    Wer sind die Auftraggeber?

    Bis zu 15 Millionen Euro soll eine Wahlmanipulation kosten – Preise, die sich nur Staaten oder Multimillionäre leisten können. Laut Aussage von „Jorge“ sollen sechs Geheimdienste zu den Kunden des Unternehmens zählen. Man agiere weltweit bei der Manipulation von Wahlen, außer in den USA, Russland und Israel. „Man scheißt nicht, wo man frisst“, erklärten sie dazu.

    Selbst der Spiegel spricht davon, dass „die engen Verbindungen zu Nachrichtendiensten und Staatsapparat jedenfalls wesentlich geholfen haben {dürften}, dass Team Jorge so lange im Geheimen agieren konnte“. – Über 20 Jahre ist das Unternehmen bereits aktiv.

    Wieder aus Israel

    Es ist nicht das erste Mal, dass ein Unternehmen aus der Unterwelt mit Söldner-Methoden zum Angriff auf Politiker und linke Projekte aus Israel auf sich aufmerksam macht. Bereits Mitte 2021 wurde das Überwachungstool „Pegasus“ der Firma NSO bekannt. Damit wurden weltweit Oppositionelle und Journalist:innen überwacht – und teilweise danach getötet.

    Die NSO Group Technologies existierte seit 2010 und war nach den Initialen der Vornamen ihrer Gründer Niv Carmi, Shalev Hulio und Omri Lavie benannt – alles ehemalige Angestellte der Einheit 8200, einer Spezialeinheit für Überwachung innerhalb des israelischen Militärgeheimdienstes.

    Israelische Überwachungswaffe “Pegasus” wird auch vom BKA eingesetzt

    Mehr lesen

    Perspektive Online
    direkt auf dein Handy!

    Weitere News