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Samstag, April 13, 2024
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    Deutschland auf der Suche nach Rohstoffen und Arbeitskräften in Brasilien

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    Zu der „historischen Zeitenwende“ in Europa gehört auch, neue Absatzmärkte und Rohstofflieferanten zu ergattern. Bundeswirtschaftsminister Habeck und Agrarminister Özdemir sind aus dem Grund derzeit in Südamerika unterwegs. Auf der Tagesordnung stehen dabei unter unter anderem politische Allianzen und die Versorgung mit nachhaltigen Energien.

    Nach der dreijährigen Regierungsphase des rechten Präsidenten Bolsonaro ist Brasilien mittlerweile wieder ein frequentierter Anlaufpunkt für deutsche Politiker:innen. So ist das grüne Ministerduo aus Robert Habeck und Cem Özdemir derzeit auf Geschäftsreise in Südamerika. Der Besuch ist Teil einer Offensive, die die Bundesregierung mit der erneuten Wahl von Lula zum brasilianischen Präsidenten gestartet hat. So waren in letzter Zeit bereits Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Umweltministerin Steffi Lemke, Bundeskanzler Olaf Scholz und weitere deutsche Spitzenpolitiker:innen vor Ort.

    Dass Deutschland nun Brasilien eng an sich binden will, hat mehrere Gründe. Zum einen steht natürlich der Export von Lebensmitteln im Raum, denn die Region liefert einige Nahrungsmittel über den Atlantik, die aufgrund des Ukrainekriegs in Europa fehlen. Aber auch industrielle Rohstoffe und seltene Metalle wie Lithium, dessen Abbau oft in der Kritik steht, entstammen diesem Kontinent.

    Zum anderen ist Brasilien prädestiniert als weltweiter Standort für die Produktion von „grünem Wasserstoff“. Unter anderem gibt es hier auch bereits seit Längerem Niederlassungen deutscher Firmen, welche die entsprechende Branche mit Bauteilen versorgen. Generell ist Brasilien für ausländische Investoren ein sehr attraktives Land, so zog es im Jahr 2021 nach den USA, China, Hongkong und Kanada die meisten Direktinvestitionen ausländischer Konzerne an.

    „Poison Package“: Deutsche Konzerne machen Profit auf Kosten der brasilianischen Arbeiter:innen und Bäuer:innen

    Die Verhandlungen mit den „Mercosur-Staaten“, wie die Länder der Freihandelszone in Südamerika auch genannt werden, müssen immer vor dem Hintergrund geopolitischer Interessen betrachtet werden. Denn auch China hat das Potential Brasiliens und seiner Nachbarstaaten bereits erkannt. So sei es laut Barbara Konner, Chefin der deutschen Außenhandelskammer in Sao Paulo, „für die deutsche Wirtschaft … sehr wichtig, dass die Rahmenbedingungen – zum Beispiel durch ein EU-Mercosur-Abkommen – attraktiver werden“.

    Gewissermaßen findet also ein Wettlauf um den Markt in Südamerika statt. Doch ganz gleich, ob chinesische oder europäische Konzerne – die Verhandlungen mit Brasilien gehen immer einher mit der Abhängigkeit von wirtschaftsstärkeren imperialistischen Großmächten. Und diese gehen oft zu Lasten der brasilianischen Arbeiter:innen, wie vergangenes Jahr bereits die Diskussion um das sogenannte „Poison Package“-Gesetz gezeigt hat: es soll den breiteren Einsatz von wortwörtlich tödlichen Pestiziden ermöglichen.

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