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Dienstag, April 23, 2024
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    3.070 Milliarden US-Dollar werden in diesem Jahr in Kohle, Gas- und Öl-Konzerne investiert

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    Nach wie vor brummt das Geschäft mit fossiler Energie. Laut einer neuen Studie halten derzeit 6.500 institutionelle Anleger Anleihen und Aktien von Kohle-, Öl- und Gasunternehmen im Wert von 3,07 Billionen US-Dollar. An der Spitze der Investoren marschieren dabei zwei Vermögensverwalter aus den USA. In Deutschland ist der größte Geldgeber für fossile Energien die Deutsche Bank.

    Die Verbrennung von Kohle, Gas und Öl war über mehrere Jahrhunderte das Rückgrat der Energieversorgung für den Aufstieg insbesondere der westlichen kapitalistischen Länder. Laut dem “Intergovernmental Panel on Climate Change” (IPCC) stammen etwa 70% des seit Beginn der Industrialisierung (ca. 1750) emittierten Kohlenstoffdioxids (CO2) aus der Verbrennung von fossilen Brennstoffen.

    Obgleich seit Jahrzehnten die schädlichen Auswirkungen auf das Klima bekannt sind, wird in der breiteren Öffentlichkeit erst in den letzten Jahren über eine Abkehr von fossiler Energieproduktion gesprochen.

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    Doch in der Konzern-Politik scheint sich das kaum niederzuschlagen. Nach wie vor investieren Pensionsfonds, Versicherungen, Investmentfonds und Vermögensverwalter Geld in die schlimmsten Klimasünder der Welt.

    Das geht aus dem „Fossil Fuel Investment Report“ hervor, der von der NGO “Urgewald” publiziert wurde. Die Finanzforschung wurde von dem gemeinnützigen Unternehmen “Profundo” durchgeführt.

    Zwei Billionen für Öl und Gas, eine für Kohle

    Zwei Drittel der ermittelten Investitionen in fossile Brennstoffe entfielen demnach auf Öl- und Gasunternehmen. Die 685 untersuchten Öl- und Gasproduzenten stammen aus der “Global Oil and Gas Exit List” (GOGEL), welche die NGO zusammengestellt hat. 95% dieser Unternehmen sind weiterhin noch in der Exploration oder Erschließung neuer Öl- und Gasfelder tätig.

    Rund ein Drittel der Gesamtinvestitionen sind in der “Global Coal Exit List” (GCEL) aufgeführt. GCEL listet über 1.000 Unternehmen und ihre Tochtergesellschaften auf, die in der Wertschöpfungskette der Kraftwerkskohle tätig sind. 38% der in der Studie ermittelten Gesamtinvestitionen in Kohle gingen an Unternehmen, die noch neue Kohlekraftwerke, Minen oder Kohleinfrastrukturen planen und bauen.

    US-Investoren vorneweg

    US-Investoren führen diese Rangliste an, der zufolge sie Anleihen und Aktien im Wert von 1.975 Milliarden US-Dollar in Unternehmen mit fossilen Brennstoffen halten. Wäre die Europäische Union ein Land, so wäre sie weltweit die zweitgrößte Quelle unternehmerischer Investitionen in die fossile Brennstoffindustrie (369 Milliarden US-Dollar).

    Die größte Summe aus EU- und Nicht-EU-Staaten zusammen, 100 Milliarden US-Dollar, wird von institutionellen Anlegern aus dem Vereinigten Königreich gehalten. Kanada (149 Mrd. US-Dollar) und Japan (126 Mrd. US-Dollar) liegen auf den Plätzen 3 und 4 der Rangliste.

    US-Vermögensverwalter an der Spitze

    Auf die beiden größten Investoren in fossile Brennstoffe, Vanguard und BlackRock, entfallen allein 17% aller institutionellen Investitionen in Unternehmen mit fossilen Brennstoffen.

    Der CEO von Vanguard, Tim Buckley, hat dazu bereits deutlich gemacht, dass er nicht die Absicht habe, Investitionen in klimaschädliche Geschäftsmodelle einzuschränken. Daher ist Vanguard im Dezember 2022 aus der “Net Zero Asset Managers”-Initiative ausgestiegen.

    Der größte Vermögensverwalter der Welt, BlackRock, ist weiterhin Mitglied der Net Zero Asset Managers-Initiative und nimmt für sich in Anspruch, ein Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit zu sein. Aber sein fossiles Portfolio unterscheidet sich laut der Studie kaum von dem von Vanguard. Obgleich BlackRock im Jahr 2020 eine erste „Kohlepolitik“ verabschiedet hat, bleibt die Investmentgesellschaft der weltweit größte Geldgeber in Unternehmen, die neue Kohlekraftwerke, Minen oder Kohleinfrastruktur entwickeln.

    Hälfte der Investitionen kommt von nur 23 Unternehmen

    50% der gesamten institutionellen Investitionen in Unternehmen mit fossilen Brennstoffen werden von nur 23 Investoren gehalten. Davon sind wiederum 18 in den USA ansässig. Darunter befinden sich globale Investmentmanager wie “State Street” und “Capital Group”, Holdinggesellschaften wie “Berkshire Hathaway”, Rentenversicherer wie “TIAA” und Vermögensverwaltungsabteilungen  von Banken wie “JPMorgan Chase”und “Bank of America”.

    Die fünf nicht-amerikanischen Institutionen unter den 23 größten Fossil-Investoren der Welt sind die “Life Insurance Corporation of India” und die staatlichen Pensions- und Investmentfonds von Japan, Südkorea, Norwegen und Saudi-Arabien.

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    Aus welchen Regionen kommen die höchsten Investitionen?

    Die kollektiven Investitionen der US-Konzerne machen die USA zum größten Investorenland in fossile Brennstoffe. Allein die weltweit größten Vermögensverwalter Vanguard und Blackrock sind für 27% der US-Anlagen verantwortlich. Die USA sind nicht nur der größte Öl- und Gasproduzent der Welt, sondern dabei auch der wichtigste Kapitalmarkt der Welt. Fossile Brennstoffunternehmen aus aller Welt beschaffen sich hier Kapital für ihre Expansionspläne.

    In Europa entfallen allein auf das Vereinigte Königreich Investitionen in fossile Brennstoffe in Höhe von fast 100 Milliarden US-Dollar. Hier die weitere Rangfolge:

    • Der größte britische Investor in fossile Brennstoffe ist der Versicherer “Legal & General” (14 Mrd. US-Dollar).
    • Auf Platz 2 der europäischen Länderrangliste steht Norwegen (59,6 Mrd. US-Dollar) mit seinem staatlichen Pensionsfonds, der mit 40,9 Mrd. US-Dollar der größte institutionelle Investor in fossile Brennstoffe in Europa ist.
    • An 3. Stelle der europäischen Rangliste steht die Schweiz (48 Milliarden US-Dollar), deren größter fossiler Investor UBS bereits vor der Übernahme der Crédit Suisse fossile Aktien und Anleihen im Wert von 20,8 Mrd. US-Dollar hielt.
    • An 4. Stelle steht Frankreich (46,6 Mrd. USD) mit seinem großen Vermögensverwalter “Amundi”. Er gehört der “Crédit Agricole” und hält fossile Aktien und Anleihen im Wert von 21,5 Mrd. USD.
    • Deutschland (45,9 Mrd. USD) liegt in Europa auf Platz 5. Der größte Investor in fossile Energien ist die “Deutsche Bank” mit ihrem Vermögensverwalter DWS, der 17,7 Mrd. USD in Kohle-, Öl- und Gasunternehmen hält.

    Kanada ist die drittgrößte Quelle für institutionelle Investitionen in die fossile Brennstoffindustrie, und der größte fossile Investor dort ist der Versicherungsanbieter “Sun Life Financial“.

    Auf Platz 4 der weltweiten Rangliste liegt Japan. Der dortige “Government Pension Investment Fund” ist der größte Investor des Landes in Unternehmen, die in fossile Brennstoffe investieren. Auf die Kohleunternehmen in seinem Portfolio entfallen mehr als 30% der jährlichen Welt-Thermalkohleproduktion.

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