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Samstag, April 13, 2024
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    Bankenkrise: Zweitgrößte Pleite einer Einzelbank in der amerikanischen Geschichte – weitere Banken brechen ein

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    In den USA ist die dritte Bank innerhalb von zwei Monaten Pleite gegangen. Dieses Mal traf es die “First Republic Bank. Von ihr hatten Großinvestor:innen zuvor 100 Milliarden US-Dollar abgehoben, sodass sie von der Megabank “JPMorgan Chase” übernommen werden musste. – Was sind die Hintergründe der Pleite und befinden wir uns am Anfang einer Bankenkrise?

    Am internationalen Arbeiter:innenkampftag ging mit der First Republic Bank die zweitgrößte Bank in der Geschichte der USA pleite. Zuvor waren 100 Milliarden US-Dollar von den meist vermögenden Einzeleinlegern abgezogen worden. Das 233 Milliarden US-Dollar schwere Institut wurde daraufhin von der Regierung beschlagnahmt und an die Großbank JPMorgan Chase verkauft. Über den Verkaufspreis wurde Stillschweigen verarbeitet.

    Die Regierung gab dafür JPMorgan Chase eine Reihe an Garantien für die Notübernahme. Insgesamt soll die Übernahmeaktion 13 Milliarden Dollar kosten. Wie bei vorherigen Pleiten in diesem Jahr hat auch dieses Mal die US-Regierung behauptet, es würden keine Steuergelder zur Rettung der Banken verwendet werden.

    Tatsächlich werden die Rettungskosten aus einem Einlagenfonds bezahlt, in den die größten Banken einzahlen. Laut Einschätzung der New York Times würden die Hilfsgelder jedoch trotzdem letztendlich von der amerikanischen Bevölkerung gezahlt werden. Denn nahezu jede Person habe ein Konto bei einer der größten Banken, die in diesen Fonds einzahlen. Diese würden sich auf diesem Weg die Kosten über steigende Preise bei den Kund:innen zurückholen. Zudem erklärte die JPMorgan Chase, sich aus der Übernahme einen Gewinn von 1,4 Milliarden US-Dollar zu erwirtschaften.

    Dritte Bank pleite – Gesamtaktiva höher als im ersten Jahr der Lehmann-Krise

    First Republic ist die dritte Bank, die seit März in den USA in Konkurs gegangen ist, sie übertrifft damit die spektakuläre Pleite der Silicon Valley Bank (SVB) am 10. März. Den Einlegern der SVB wurden ihre Bankguthaben von der US-Regierung mit 151 Mrd. US-Dollar garantiert. Bis zum 1. Mai war die SVB die zweitgrößte Bankenpleite in der Geschichte des Landes gewesen – dieser unrühmliche Titel wurde nun von der First Republic Bank abgelöst.

    Bankencrash in den USA: Krise weitet sich aus

    Nach der SVB war nur zwei Tage später auch die “Signature Bank”, ein in New York ansässiges Institut mit einem großen Immobilienkreditgeschäft, gescheitert. Inmitten der Bankenkrisen-Panik hatte dann die First Republic Bank in einem ungewöhnlichen Schritt von 11 der größten Banken des Landes einen Rettungsschirm in Höhe von 30 Mrd. US-Dollar erhalten. Dieser Versuch, das Scheitern der First Republic Bank abzuwenden, erwies sich jedoch als erfolglos.

    Angehobene Zinssätze und kapitalistischer Krisenzyklus

    Der Zusammenbruch von First Republic steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Anhebung der Zinssätze durch die “Federal Reserve”, kurz “Fed” genannt. Die US-Notenbank hatte in den letzten Monaten ihre Leitzinsen, zu denen sich Banken bei ihr Geld leihen können, immer weiter angehoben. Damit sollten die massiven Inflationsraten bekämpft werden.

    Dies geschehe laut US-Notenbank dadurch, dass die Banken weniger Kredite vergeben können („Kreditklemme“), sodass in der Folge unwirtschaftliche Unternehmen pleite gehen. Dies führe zu Massenarbeitslosigkeit und weniger Geld, das ausgegeben werden könne, dadurch  die Nachfrage sinke und dann auch die Preise. Diese Politik zielt im Wesentlichen darauf ab, die Teuerungen auf die Rücken der breiten Bevölkerung abzuwälzen und nicht diejenigen Unternehmen welche die Preise in die Höhe treiben, zur Kasse zu bitten.

    Ein weiterer Nebeneffekt der steigenden Zinssätze sind jedoch auch die jüngsten Bankenzusammenbrüche. Wenn die Zinssätze für Kredite und Anlagen steigen, verlieren diese an Wert, und die Bankkunden ziehen ihr Geld von den Banken ab. Da die Banken darauf ausgelegt sind, mit den Einlagen ihrer Kunden zu spekulieren und sie nicht zu retten, bricht die Bank zusammen, wenn zu viele Menschen ihr Geld auf einmal abziehen. Dies geschieht derzeit bei einer Reihe an Regionalbanken, die besonders auf Superreiche ausgelegt sind und deshalb eine höhere Einlagenkonzentration bei wenigen Einzelpersonen aufweisen.

    Die tieferliegende Ursache der Bankenkrise ist derweil die Gesetzmäßigkeit von Krisen in der kapitalistischen Wirtschaft. Ursache dafür ist, dass die Produktion zwar immer weiter ausgedehnt wird, aber dem gegenüber eine Arbeiter:innenklasse steht, die nicht mehr in der Lage ist, die Produkte zu kaufen. Ab einem bestimmten Punkt wird diese relative Überproduktion offenbar. Am Beginn des kapitalistischen Krisenzyklus steht dann die „Kreditklemme“, die wir derzeit sehen.

    Verstärkte Monopolisierung

    Das derzeitige Wanken verschiedener Regionalbanken in den USA führt zudem zu einer stärkeren Monopolisierung und deshalb Machtanwuchs bei den wenigen amerikanischen Großbanken. JPMorgan Chase war bereits vor der jüngsten Übernahme von First Republic eine der größten Banken der Welt. Die Megabank übernahm 2008 auch die “Washington Mutual”, nachdem diese in der bis heute größten Bankenpleite der US-Geschichte zusammengebrochen war.

    JPMorgan Chase besitzt mehr als 10% aller Einlagen in den USA, sodass es ihr nach den US-Vorschriften rechtlich eigentlich nicht erlaubt ist, ein anderes Einlagenkreditinstitut zu übernehmen. Doch im Fall der First Republic zog eine Ausnahmenklausel und die Bank konnte nun doch geschluckt werden. Die Übernahme von First Republic durch JP Morgan zeigt, wie Krisenmomente im Kapitalismus oft zu einer weiteren Monopolisierung führen.

    3.070 Milliarden US-Dollar werden in diesem Jahr in Kohle, Gas- und Öl-Konzerne investiert

    „Anfänge einer Bankenkrise“

    Die Gesamtvermögen, sog. “Gesamtaktiva”, der im Jahr 2023 gescheiterten Banken übertreffen nun schon diejenigen aller Banken, die im ersten Jahr der Weltwirtschaftskrise 2008 pleite gingen. Das US-Finanzministerium hat dennoch erklärt, dass das Bankensystem des Landes nach dem Zusammenbruch von First Republic “solide und widerstandsfähig” sei.

    Michael Grote von der “Frankfurt School of Finance” äußerte sich gegenüber tagesschau.de anders: Seiner Einschätzung nach befinde man sich „im Grunde schon in den Anfängen einer Bankenkrise in den USA”.

    Es wird davon ausgegangen, dass noch weitere Banken dem Zinsanstieg nicht standhalten können. Auf den Finanzmärkten findet deshalb bereits eine wilde Suche nach dem nächsten Pleitekandidaten statt. Wie unsicher die Situation ist, zeigt sich auch darin, dass die Fed den Leitzins nur um 0,25 Prozent weiter anhob – ebenso wie die Europäische Zentralbank (EZB).

    Regionale US-Bankaktien steuerten zudem am Mittwoch auf weitere Verluste zu: Die Aktie von “PacWest Bancorp” fiel im vorbörslichen US-Handel um 12%, nachdem sie im Vortag-Handel um 28% auf ein neues Rekordtief gefallen war. Die Aktie von “Western Alliance Bancorp” fiel ebenfalls um 15%. In diesem Zusammenhang warnte der ehemalige Chef der Dallas-Fed, Robert Kaplan, “dass die Bankenkrise ernster sein könnte, als wir derzeit verstehen“.

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