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Samstag, April 13, 2024
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    „Wir werden die ersten sein, die an die Front geschickt werden!“

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    Die “Internationale Jugend” ist eine sozialistische Jugendorganisation, die sich mit verschiedenen gesellschaftlichen Themen aus einer klassenkämpferischen Perspektive auseinandersetzt. – Wir haben uns mit Samuel getroffen und über ihre aktuelle Arbeit und Schwerpunkte im Bereich Antimilitarismus gesprochen.

    Vielen Dank, dass ihr euch Zeit genommen habt für dieses Interview. Könnt ihr euch den Leser:innen kurz vorstellen?

    Wir sind eine bundesweite sozialistische Jugendgruppe mit dem Ziel, die Jugendlichen im Kampf gegen den Kapitalismus zu vereinen und eine klassenkämpferische Perspektive jenseits dieses Systems aufzuzeigen.

    Wir haben uns 2017 im Zuge des Parteitags der AfD gegründet als „Jugend gegen AfD“. Für uns war dann schnell klar, dass dieser Kampf weiter gehen muss und wir ihn ausweiten wollen. Heute sind wir nicht nur gegen Faschismus und rechte Strömungen aktiv, sondern wollen in allen Bereichen der Gesellschaft gegen Ungerechtigkeit und Ausbeutung kämpfen: sei es gegen Rassismus, das Patriarchat, den Zustand des Bildungssystems hier in Deutschland, die Militarisierung und Aufrüstung oder für die Rettung der Umwelt.

    Euer Ziel ist es, besonders in den Schulen aktiv zu werden. Warum ist das so, was wollt ihr damit erreichen?

    Seit einem Jahr sind wir in der “Föderation Klassenkämpferischer Organisationen” (FKO), gemeinsam mit dem “Frauenkollektiv”, dem “Solidaritätsnetzwerk” und “Betriebskampf” organisiert. Jede dieser Organisationen legt in ihrer Arbeit einen besonderen Schwerpunkt auf die benachteiligten Teile der Gesellschaft, die sie ansprechen möchte und deren Probleme sie besonders aufgreift.

    Unser Schwerpunkt ist die Jugend. Natürlich wollen wir letzten Endes einen allumfassenden Kampf führen. Das bedeutet, dass wir nicht nur gegen einzelne Ungerechtigkeiten kämpfen, sondern auch die Zusammenhänge aufzeigen wollen und das System dahinter erkennen. Aber wir wollen besonders die Jugend ansprechen und Schulen sind der Ort, an dem die Jugend täglich zusammen kommt. Gleichzeitig sind Schulen auch die Orte, in denen wir spätestens den ersten Ungerechtigkeiten ausgesetzt sind.

    Schüler:innen haben an Schulen mit den Noten, Chancenungleichheit und Konkurrenz zu kämpfen und werden dazu erzogen, sich ganz nach den Vorgesetzten, in dem Fall den Lehrer:innen, zu richten. Wenn wir also davon sprechen, eine Jugendorganisation zu sein, dann müssen wir die Jugend auch an dem Ort abholen, der ihren Alltag bestimmt.

    Wie sieht eure Arbeit an Schulen dann konkret aus?

    Natürlich gibt es lokal Unterschiede, aber bundesweit versuchen wir in den jeweiligen Städten, in denen wir aktiv sind, den Schwerpunkt auf eine oder wenige Schulen zu setzen und dann dort intensiver zu arbeiten. Das bedeutet, wir sind regelmäßig dort und verteilen Flyer, führen Gespräche mit den Schüler:innen oder machen Infostände.

    In vielen dieser Schulen sind auch Jugendliche, die bei uns aktiv sind. Dadurch haben wir dann noch einmal größere Möglichkeiten und können zum Beispiel auch Diskussionskreise oder Veranstaltungen innerhalb der Schule organisieren und durchführen. Das Ziel ist dabei immer, mit den Schüler:innen ins Gespräch zu kommen, zu hören, was sie beschäftigt und an den konkreten Problemen anzusetzen. Aber nicht, damit wir dann ihre Probleme lösen, sondern damit wir dann zusammen dagegen ankämpfen können.

    Die Flyer oder Zeitungen, die wir verteilen, beziehen sich dann meist auf ein bestimmtes Thema, das auch gesellschaftlich gerade aktuell ist. In der Vergangenheit war das zum Beispiel der Krieg in der Ukraine oder der Umweltkampf. In manchen Städten, in denen wir aktiv sind, haben wir uns auch an dem Aufbau einer selbstorganisierten Schüler:innenzeitung beteiligt, die wir zusammen mit den Schüler:innen geschrieben – und dann in den Schulen verteilt haben.

    „Unser Engagement ist nicht gern gesehen“ – Interview mit der Schüler:innenzeitung Zündstoff

    Es gibt ja eine ganze Reihe von linken Organisationen. Wie unterscheidet ihr euch und warum lohnt es sich, genau bei euch aktiv zu werden?

    Wir kämpfen für eine Gesellschaft, in der Ausbeutung und Unterdrückung der Vergangenheit angehören. Das bedeutet auch, dass wir nicht nur Forderungen an die Regierung stellen, sondern einzelne Verbesserungen unserer Lage in den Kampf für den Sozialismus einbinden. Dazu reicht nicht die Hoffnung, dass jemand unsere Appelle hört, dafür müssen wir uns zusammenschließen und unsere Forderungen selbst erkämpfen. Dazu gehört, dass wir die Menschen, die wir für diesen Kampf begeistern können, mit einbeziehen und unterstützen, sich mit uns zu selbstständigen, eigenständigen Personen zu entwickeln.

    Das ist ein klarer Unterschied zu zum Beispiel den Jugendgruppen von Parteien wie der Grünen Jugend oder den Jusos. Aber das unterscheidet uns auch von Bewegungen wie Fridays for Future, deren Kampf ebenfalls aus Forderungen an die Regierung besteht. Gleichzeitig reicht es uns nicht, nur gegen eine Sache zu kämpfen, sondern wir wollen diese Kämpfe verbinden.

    Für viele ist ein Thema, das sie besonders beschäftigt, der Einstieg, dafür politisch aktiv zu werden, aber wir wollen weitere Schritte gehen. Das Ziel, das wir verfolgen, unterscheidet sich dadurch ganz klar sowohl von den bürgerlichen Parteijugenden als auch von Bewegungen, die zu einem bestimmten Thema aktiv werden. Wir haben den Anspruch, eine Politik zu machen, die nicht bei einem Thema stehen bleibt.

    Und zu welchen Themen arbeitet ihr aktuell?

    Es gibt natürlich örtliche Unterschiede, an manchen Schulen gibt es spezielle Probleme und Ungerechtigkeiten, auf die wir aufmerksam machen wollen. Für die nächste Zeit haben wir beschlossen, bundesweit einen besonderen Fokus auf die Bundeswehr zu legen. Eigentlich in jeder Stadt steht irgendwann mal die Bundeswehr vor den Schüler:innen und wirbt für sich als Arbeitgeberin. Wir wollen dagegen ein Zeichen setzen und das nicht unhinterfragt stehen lassen.

    Gerade jetzt denken wir, dass das ein wichtiges Thema ist, denn aktuell wird in den Nachrichten immer wieder über die Wehrpflicht oder ein soziales Dienstjahr gesprochen. Es sind wir Jugendlichen, die davon betroffen sein werden, genauso, wie wir auch von dem aktuellen Krieg in der Ukraine betroffen sind und die Auswirkungen noch lange Zeit spüren werden. Diese Entwicklungen sollten wir nicht einfach hinnehmen.

    Die Bundeswehr wird als normaler Arbeitgeber dargestellt und sie wird mit keinem Wort kritisch hinterfragt. Aber es ist unsere Zukunft, mit der dabei gespielt wird, und wir denken, dass man das auch ansprechen sollte! Wenn von Aufrüstung gesprochen wird und davon, dass Deutschland sein Militär wieder kriegstauglich machen will, dann sind wir die ersten, die an die Front geschickt werden, das betrifft unsere ganze Generation.

    Jugendoffiziere raus aus unseren Schulen!

    Was erhofft ihr euch von dieser Kampagne?

    Wir wollen den Fokus darauf lenken, was gerade auf diesem Gebiet passiert, wie die Gelder in Aufrüstung gesteckt werden, obwohl es im Bildungssystem oder Gesundheitssystem seit langem die Forderungen nach mehr Geldern gibt.

    Aber dabei wollen wir nicht stehen bleiben. Wir wollen aufzeigen, dass es keine „belanglose“ Entwicklung ist, wenn die Diskussion über Wehrpflicht oder etwas Vergleichbares wieder ins Gespräch kommt. Und die Bundeswehr verfolgt ja ein Ziel damit, sich an unseren Schulen zu präsentieren: Sie will Schüler:innen für ihre Interessen rekrutieren und dem wollen wir uns entgegen stellen und eine kritische Perspektive aufzeigen.

    Unser Ziel ist es aber auch, dadurch Jugendliche zu motivieren, überhaupt selbst aktiv zu werden und sich zu organisieren. Wir wollen die Schüler:innen mit unseren Positionen und Inhalten erreichen und überzeugen, bis hin zu dem Punkt, an dem sie die Notwendigkeit erkennen, selbst aktiv zu werden.

    Der Auftakt der Kampagne fand am 1. Mai, dem Kampftag der Arbeiter:innenklasse statt. Gleichzeitig ist der Kampf gegen Ausbeutung kein neues Thema, genauso wie der antimilitaristische Kampf kein neues Thema ist. Mit dem 1. Mai als Beginn wollten wir dadurch auch die historische Verbindung der Kämpfe herstellen.

    Wir hoffen natürlich, dass dies eine Kampagne war und wird, die mit Leben gefüllt ist, mit der wir die Menschen und besonders die Jugendlichen unserer Gesellschaft abholen können und sie dazu motivieren können, selbst aktiv zu werden.

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