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Donnerstag, Mai 30, 2024
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    Pilot:innen: Lufthansa fürchtet Streik im Sommer

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    Die Tarifverhandlungen für die Pilot:innen der Lufthansa gehen in die heiße Phase. Der Konzern fürchtet Streiks mitten in der Urlaubszeit und hat jetzt ein neues Angebot vorgelegt. Die Streikbereitschaft gerade unter jungen Pilot:innen scheint aber hoch.

    Kommt es im Juli zu Pilot:innenstreiks bei der Lufthansa oder nicht? – Bei den Tarifverhandlungen des Konzerns mit der Pilot:innengewerkschaft “Vereinigung Cockpit” (VC) gibt es jetzt ein Angebot von Unternehmensseite: Die Lufthansa bietet den Pilot:innen der Kernmarke “Lufthansa Airlines” und der Frachttochter “Lufthansa Cargo” eine Gehaltssteigerung von 18,5 Prozent an.

    Diese soll sich jedoch auf mehrere Jahre bis 2025 verteilen und zwei Gehaltserhöhungen während des vergangenen Jahres mit einschließen.

    Für Anfang 2024 bietet die Lufthansa den Pilot:innen demnach eine Gehaltssteigerung von mindestens 5% an. 2025 soll es dann noch einmal mindestens 3,5% geben. Sollten die allgemeinen Tariflöhne in der fraglichen Zeit stärker steigen, hat der Konzern die Bereitschaft signalisiert, die Gehälter stärker zu erhöhen. Die Zahl von 18,5% ergibt sich, wenn man auch die zwei Erhöhungen aus dem vergangenen Jahr mit einrechnet. Diese lagen bei jeweils 490 Euro pro Monat.

    Ein Copilot (First Officer) bekäme nach diesen Erhöhungen bei Berufseinstieg ein Gehalt von 5.934 Euro monatlich. Das Entgelt würde mit steigender Berufserfahrung auf 11.187 Euro steigen. Flugkapitäne würden mit 11.780 Euro anfangen und auf der höchsten Stufe 18.837 Euro im Monat verdienen. Hinzu kommen Schichtzulagen von 16,3%.

    Trotz der — im Vergleich im anderen Berufsgruppen —  sehr hohen Gehälter wird das Konfliktpotenzial unter den Lufthansa-Pilot:innen als hoch eingeschätzt. Gerade unter jungen Pilot:innen sei die Frustration zurzeit hoch, da sich die Zeitspanne eines Aufstiegs vom First Officer zum Kapitän in den letzten Jahren stark verlängert habe. Um selbst Kapitän zu werden, müssen Pilot:innen heute teilweise bis zu 17 Jahre warten.

    Tarifverhandlungen im Bahnstreik gehen weiter

    Die Lufthansa hat ihre Kernsparte “Lufthansa Airlines”, in der diese Spitzengehälter gezahlt werden, in den letzten Jahrzehnten außerdem verkleinert und Teile des Flugbetriebs in Tochterfirmen ausgelagert: Kurz- und Mittelstreckenflüge werden heute in der Regel von “Eurowings” oder “Eurowings Discover” bedient. Hier liegen die Gehälter für Pilot:innen deutlich niedriger, nämlich bis zu 100.000 Euro im Jahr.

    Vor diesem Hintergrund will die Lufthansa nun die Zukunft ihrer Kernmarke an den Ausgang der Tarifverhandlungen koppeln. Bereits während der Corona-Pandemie hatte sie einseitig eine Vereinbarung aufgekündigt, welche die Mindestflottengröße der Kernmarke”Lufthansa Airlines” auf 325 Jets festgelegt hatte. Damit verbunden war eine ausreichende Zahl von Flugstunden für Copiloten und damit ein schnellerer Aufstieg in höhere Gehaltsklassen. Konkret will der Konzern in Zukunft Kurzstreckenflüge nach Frankfurt und München lieber auf die neue Gesellschaft “City Airlines” auslagern, um Personalkosten zu sparen.

    DGB-Gewerkschaften rufen erneut zu Warnstreiks auf

    Zusammengefasst: Die Pilot:innenvereinigung Cockpit will in den Tarifverhandlungen offenbar 8,5% mehr Lohn bei zwölf Monaten Laufzeit durchsetzen. Neben einer deutlichen Gehaltssteigerung gehe es der Gewerkschaft aber auch um eine Entlastung der Pilot:innen, etwa in Form von maximalen Flugdienstzeiten und Ruhezeiten. Die Gewerkschaft erklärte unterdessen, das Angebot der Lufthansa erhalten zu haben. Die Gremien der Gewerkschaft würden es derzeit prüfen: „Es ist noch zu früh für eine abschließende Bewertung“, so Marcel Gröls, Vorsitzender Tarifpolitik der VC.

    Ein Pilot:innenstreik während der Sommerferien ist damit weiter möglich. Er könnte nach Ablauf der Friedenspflicht am 30. Juni beginnen. Erst im April hatten die Arbeiter.innen aus Service, Sicherheit und Kontrolldiensten an den Flughäfen Düsseldorf, Köln/Bonn und Hamburg gestreikt.

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