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Mittwoch, Mai 22, 2024
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    120 Fahrer:innen in Gräfenhausen: Wilder LKW-Streik breitet sich aus.

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    Bereits seit einer Woche streiken Lastwagenfahrer:innen aus Osteuropa wieder auf der Raststätte in Gräfenhausen an der Autobahn 5 bei Darmstadt. Mittlerweile reicht der Platz auf dem Parkplatz nicht mehr aus und es wird nach einem neuen Streikort gesucht, denn mittlerweile stehen 120 LKW auf dem Raststättenparkplatz. Die Streikbeteiligung ist sogar noch höher.

    An der Raststätte Gräfenhausen an der Autobahn 5 bei Darmstadt parken seit dem vergangenen Freitag wieder streikende LKW-Fahrer:innen. Diese demonstrieren dabei vor allem für die Auszahlung ausstehender Lohnzahlungen und andere nicht erbrachte Leistungen des Unternehmens “LUK MAZ”. Der Protest wirft dabei jedoch auch Licht auf die schlechten Arbeitsbedingungen in der Fernfahrer:innenbranche im Allgemeinen. Der größte Teil der Streikenden setzt sich aus osteuropäischen Beschäftigten aus Georgien und Usbekistan zusammen.

    „Seit fünf Monaten warte ich auf mein Geld, berichtete der LKW-Fahrer Vladimer Pilauris gegenüber der Verkehrs-Rundschau. Das Unternehmen soll ihm mittlerweile 8.600 Euro schuldig sein.

    “Praktische Solidarität” bei wildem LKW-Streik in Gräfenhausen

    Der wilde Streik bei LUK MAZ ist nicht der erste dieser Art, bereits im April diesen Jahres streikten circa 60 LKW-Fahrer:innen der polnischen Spedition auf der Gaststätte Gräfenhausen. Damals forderten die Fahrer:innen ebenfalls die Ausbezahlung ausstehender Löhne von mehreren tausend Euro.

    Das Unternehmen geriet in die Negativschlagzeilen, nachdem es gemeinsam mit einem „paramilitärisch“ wirkenden Sicherheitsunternehmen am Karfreitag versuchte, die Lastwagen zu übernehmen. Und ein junger usbekischer Mann, der sich an der Streiks beteiligte, hatte berichtet, vom Unternehmen bedroht wurden zu sein. Nach mehrwöchigen Streiks und großem Öffentlichkeitsdruck zahlte das Unternehmen schließlich rund 300.000 Euro an seine Fahrer:innen aus.

    Gräfenhausen: LKW-Fahrer zwingen Lohnpreller-Boss in die Knie!

     

    Dieses Mal scheint der Konzern eine andere Strategie zu fahren: so wartete es nicht erst, bis die Streiks anschwollen, sondern soll die ersten zwölf Fahrer:innen sehr schnell und weitere in Teilen ausbezahlt haben. Daraufhin rissen die Streiks dennoch nicht ab. Viele der bezahlten Fahrer:innen zeigten sich nämlich solidarisch mit ihren Kolleg:innen und kündigten an zu bleiben, bis alle Löhne ausgezahlt wären.

    Seit dem vergangenen Freitagabend stieg die Menge der Streikenden immer weiter an. Mittlerweile sollen sich auf dem Rastplatz Gräfenhausen-West und auf dem gegenüberliegenden Rastplatz Gräfenhausen-Ost rund 120 Lastwagen versammelt haben. Die Anzahl der streikenden Personen soll noch höher liegen, denn über die LKW-Fahrer:innen hinaus sollen sich auch frühere Angestellte von Mazur – dem Chef des Unternehmens – angeschlossen haben. Auch sie seien nach der Trennung vom Unternehmen nicht voll ausgezahlt worden und fordern nun diese ausstehenden Löhne ebenfalls ein.

    Der Streik ist wie schon der im April ein wilder Streik, die Fahrer:innen vertreten sich also nur selbst und sind kein Teil einer offiziellen Gewerkschaft. In Deutschland werden sie allerdings derzeit noch vom DGB und dem Netzwerk “Fair Mobility” bei ihrer Suche nach einem neuen Rastplatz unterstützt, da die beiden Gräfenhausener Rastplätze für die Masse an Streikenden bereits zu klein geworden sind.

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