Am 14. September 2021 übergoss sich die aus dem Iran geflüchtete trans Frau Ella Nik Bayan auf dem Alexanderplatz in Berlin mit Benzin und zündete sich öffentlich an. Sie starb einen Tag später im Krankenhaus. Für die Freund:innen Ellas ist klar, dass ihr Suizid politisch begründet war.

Ella Nik Bayan floh 2015 aus dem Iran nach Deutschland, denn als trans Frau war ihr Leben im Iran, in dem LGBTI+- Personen mitunter der Todesstrafe zum Opfer fallen, ständig bedroht. Sie erhoffte sich, in Deutschland ihre Geschlechtsidentität offen und angstfrei ausleben zu können. Doch 2017 wurde ihr erster Asylantrag abgelehnt – dass sie eine trans Frau ist, wurde dabei nicht berücksichtigt. Nach einem langen Kampf bekam sie 2018 dann einen positiven Asyl-Bescheid von den deutschen Behörden.

Transfeindlichkeit sogar nach Ellas Tod

Doch damit war es nicht genug: Ella musste sich immer wieder mit den deutschen Behörden auseinandersetzen, um als trans Frau ihre Geschlechtsidentität leben zu dürfen – von psychologischen Gutachten bis hin zu Anträgen für die Kostenübernahme von geschlechtsangleichenden Behandlungen. In ihrem Alltag erlebte sie immer wieder Transfeindlichkeit, die sich auch nach ihrem Tod fortsetzte: In verschiedenen transfeindlichen Chatgruppen wurden z.B. Fotos von Ellas verbranntem Leichnam verbreitet, die im Krankenhaus aufgenommen wurden. Auch das Grab von Ella wurde bereits mehrmals geschändet.

Das „Selbstbestimmungsgesetz“ hat seinen Namen nicht verdient

Gedenken heißt kämpfen

Für die Freund:innen Ellas ist klar, dass ihr Suizid politisch motiviert war – begründet in der Transfeindlichkeit und der menschenfeindlichen Geflüchtetenpolitik, der sie ausgesetzt war. Auch die LGBTI+- Organisation “pride rebellion” sieht Ellas Suizid ebenso und veranstaltet am Alexanderplatz ein Gedenken zu ihrem zweiten Todestag.

Blick man auf Ellas Leben und Tod zurück, wird klar: Es ist dieses System, das sie in den Suizid getrieben hat. Die Geflüchtetenpolitik der Festung Europa und die transfeindlichen deutschen Behörden, die die Selbstbestimmung von trans Personen einschränken. Ein Gedenken an Ella bedeutet also auch, gegen das System, das sie in den Suizid trieb, zu kämpfen.


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