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Montag, April 22, 2024
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    Krise in der Baubranche: Wer profitiert davon, wer leidet darunter?

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    Seit Jahren befindet sich die Baubranche in Deutschland in einer tiefen Krise. Die Zahl von genehmigten Neubauten fällt immer weiter und ein Ende ist nicht in Sicht. Während einzelne Konzerne massiv vom knappen Angebot profitieren, kostet die Krise die Mieter:innen aus der Arbeiter:innenklasse bares Geld.

    Seit Jahren befindet sich die Baubranche in Deutschland in einer Krise. Es werden schlicht deutlich weniger Privatwohnungen gebaut als noch vor einigen Jahren. Nach im Handelsblatt veröffentlichten Zahlen ist die Anzahl der genehmigten Wohnungsneubauten gegenüber dem Januar 2023 um 23,5 Prozent eingebrochen, gegenüber dem Januar 2022 sogar um 43,4 Prozent. Sie lag somit nur noch bei 5.200.

    In der kapitalistischen Presse werden zwei Faktoren als wesentlich für diese Entwicklung diskutiert: Die nach jahrelangem Rekordtief wieder ansteigenden Zinsen durch die Zinswende bei der EZB und der US-amerikanischen Zentralbank einerseits und andererseits durch die infolge von geopolitischen Verwerfungen und Corona-Krise gestiegenen Materialkosten.

    Sicherlich spielen beide Faktoren eine Rolle. Auch die besondere Konzentration von Firmenpleiten in der Baubranche drückt diese Entwicklung aus.

    Eine andere Frage, die angesichts der Entwicklung gestellt werden muss, ist jedoch, welche Teilnehmer:innen am kapitalistischen Markt überhaupt ein echtes Interesse an der schnellstmöglichen Überwindung der aktuellen Situation haben.

    Deutschlands größter Immobilienkonzern „Vonovia” beispielsweise hat offenbar nach eigenen Angaben im letzten Jahr lediglich 2.425 neue Wohnungen fertiggestellt, wie das Handelsblatt berichtete. Das entspricht weniger als einem 1/2 Prozent des aktuellen Wohnungsbestands im Besitz des Konzerns.

    Dieser Wert soll nach den Plänen des Konzerns sogar noch durch Verkäufe von Bestandsimmobilien sinken. Zugleich gehen Schätzungen hingegen von mindestens 700.000 bis 800.000 fehlenden Wohnungen in den nächsten Jahren aus.

    Wohnungsbau-Branche weiterhin in der Krise

    Auf dem Konto von Konzernen wie „Vonovia” macht sich die Nachfrage nach Mietwohnungen, die das Angebot so massiv übertreffen, jedoch ganz konkret profitabel bemerkbar, denn nach den üblichen Marktmechanismen führt diese Situation zu einer weiteren Aufblähung der Mieten, ohne dass die Kosten im gleichen Maße wachsen würden. Kurz gesagt: Es winken erhebliche Extraprofite aufgrund der monopolartigen Stellung des Konzerns. Die Leidtragenden sind hier natürlich alle Miter:innen, die nicht so viel Geld verdienen, dass 200 oder 300 Euro Miete mehr oder weniger gar keine Rolle mehr für sie spielen.

    Das Angebot an Mietwohnungen deutlich unter der Nachfrage zu halten, indem eigene Bauvorhaben gestoppt werden, dürfte für Immobilienkonzerne vor allem deswegen verlockend sein, weil die Nachfrage zugleich in einem anderen Geschäftsfeld in den letzten Jahren stark eingebrochen ist.

    Bei Gewerbeimmobilien ist nämlich ein gegenläufiger Trend zu verzeichnen: Für Unternehmen, die bisher große Büroräume finanziert haben, hat die Corona-Krise mit dem sprunghaften Umstieg auf das Home-Office erhebliche Sparpotenziale eröffnet: quasi geräuschlos einfach die Angestellten selbst in ihrer eigenen Privatwohnung die Kosten für ihr Büro und ihren Arbeitsplatz tragen zu lassen.

    In diesem Bereich könnte das Überangebot an Gewerbeimmobilien sogar so groß werden, dass es zum Ausgangspunkt einer tiefgreifenden Bankenkrise wird, da verschiedene Banken stark in diesen Sektor investiert haben. Das zumindest befürchtet José Manuel Campa, Chef der EU-Bankenaufsichtsbehörde.

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