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Montag, Juni 24, 2024
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    „Wichtiger erster Schritt“: Klassenkampfkonferenz in Berlin mit über 350 Teilnehmer:innen

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    Am 19. Mai hat erfolgreich die erste „Klassenkampfkonferenz” vom Bildungs- und Kulturkollektiv „Klassenbildung” stattgefunden. Verschiedene Organisationen und mehr als 350 Menschen sind zusammengekommen, um sich über den aktuellen Stand des Klassenkampfs in Deutschland und auf der Welt auszutauschen.

    Mit der Klassenkampfkonferenz setzte sich Klassenbildung das Ziel, verschiedene Teile der revolutionären Bewegung zusammenzubringen und gemeinsam über die Herausforderungen und Aufgaben zu diskutieren, die sich uns als Arbeiter:innenklasse und revolutionäre Organisationen in Theorie und Praxis in Deutschland stellen. Mit über 350 Besucher:innen wurde auf vier Podien über die verschiedenen Aspekte des Klassenkampfs diskutiert und ein erster Schritt gemacht, um die Erfahrungen vieler verschiedener Organisationen und Menschen zusammenzutragen und voneinander zu lernen.

    Klassenkampfkonferenz: „Wir wollen den Klassenkampf weiterentwickeln“

    Digitaler Klassenkampf?!

    Ein Bereich, der laut dem Moderationsteam des ersten Podiums in der revolutionären Bewegung stark vernachlässigt werde, sei die Bedeutung von Medien und Kultur im Klassenkampf von heute. Dort waren gleich vier medienschaffende Projekte vertreten. Die beiden Podcasts 99zuEins und Kommunisten Kneipe diskutierten zusammen mit der (Online-)Zeitung und Forum Perspektive – Zeitung für Solidarität und Widerstand und Klassenbildung selbst über die Notwendigkeit von eigenständigen Presse-, Medien-, Bildungs- und Kulturangeboten. Denn fast die gesamte Medienlandschaft befindet sich im Besitz einiger weniger Medienkonzerne: „Was dort erscheint, liegt im Interesse der Konzernbesitzer:innen“, so Konstantin von Perspektive. Um also über die wirklichen Probleme von uns Arbeiter:innen, Migrant:innen, Frauen und Jugendlichen oder Senior:innen zu berichten oder eine revolutionäre Theorie und Kultur zu entwickeln und sie für die breite Masse der Gesellschaft bereitzustellen, benötige es eigene Projekte – sozusagen: von der Klasse für die Klasse.

    Viel diskutiert wurde auch über das Verhältnis von „digitalem“ Klassenkampf und Klassenkampf auf der Straße. Revolutionäre Medienprojekte sollten nicht einfach ihr je eigenes Süppchen kochen. Ihre Arbeit und Inhalt sollten genauso in der Realität des Klassenkampfs verankert sein, wie auch die politische Arbeit von anderen revolutionären Organisationen.

    Klassenkampf international

    Auf dem zweiten Podium wurde sich mit der Situation der Klassenkämpfe in Europa beschäftigt. Hier haben Vertreter:innen von Reconstruction Communiste aus Frankreich, die KKE (ml) aus Griechenland und marksist teori aus Türkei/Kurdistan über den jeweiligs aktuellen Stand ihres Klassenkampfs, aber auch den der vergangenen Jahre gesprochen.

    Für Reconstruction Communiste waren es vor allem die Gelbwestenbewegung und die Aufstände der Banlieus nach der Ermordung des Jugendlichen Nahel M. im Juni 2023 sowie die Proteste gegen die Rentenreform, welche die Klassenkämpfe der französischen Arbeiter:innenklasse in den letzten Jahren prägten.

    Die KKE (ml) sprach viel über die Rolle der EU und Deutschlands bei der Ausblutung Griechenlands während der Weltwirtschaftskrise 2008/2009 und bei der Einverleibung Griechenlands in die EU. Ihrem Vertreter zufolge müsse man sich international gegen die Europäische Union vereinigen.

    Marksist Teori gab den Teilnehmer:innen der Konferenz einen tieferen Einblick in die historische Entwicklung des Klassenkampfs in der Türkei. Von den Gezi-Aufständen 2013, die sich gegen die Regierung Erdogans richteten und von diesen brutal zusammengeschlagen wurden, über den kurdischen Befreiungskampf bis hin zur derzeitigen Situation wurde viel berichtet. Im Fokus der aktuellen Kämpfe der türkischen und kurdischen Arbeiter:innenklasse liegt, so Marksist Teori, zurzeit der Kampf gegen den Faschismus und das faschistische Chefregime Erdogans.

    Aus diesem Grund schlossen sich zum Beispiel auch vor einigen Jahren mehrere fortschrittliche, antifaschistische und kommunistische Organisationen in einem Bündnis, dem HBDH (Vereinte Revolutionsbewegung der Völker), zusammen, um den antifaschistischen Kampf in der Türkei und dem Sturz des faschistischen türkischen Regimes einen Schritt näher zu kommen.

    Organisiert Kämpfen

    Das dritte Podium wagte sich an die Frage heran, wie sich die Arbeiter:innenklasse im 21. Jahrhundert organisieren müsste, um einen erfolgreichen Kampf gegen ihre Unterdrückung führen zu können. Dabei wurden verschiedene Ansätze diskutiert, wie eine solche revolutionäre Organisation aussehen könnte. Hierfür kamen der Kommunistische Aufbau, der Bund der Kommunist:innen und die Rote Jugend Deutschland zusammen.

    Alle waren sich im Ziel einig, eine Kommunistische Partei in Deutschland aufbauen zu wollen. Während der Bund der Kommunist:innen dies jedoch durch eine Annäherung an in verschiedenen Städten bereits stark verankerte Organisationen anstrebt, verfolgt der Kommunistische Aufbau einen zentralisierten Aufbau seiner Organisation. Der Vertreter von Teilen der Roten Jugendbewegung wiederum definierte das Ziel vor allem in der Vereinigung verschiedener kommunistischer Jugendgruppen. Einigkeit bestand wiederum darin, gemeinsame Beiträge zur Entwicklung des Klassenkampfs leisten zu wollen.

    Wie der Name des vierten Podiums bereits beinhaltete, tauschten sich hier die Kommunistische Jugend, LaRage aus Berlin und die North-East Antifascists Berlin über den antifaschistischen Kampf und die Rechtsentwicklung der letzten Monate und Jahre aus. In Anbetracht der aktuellen Umfragewerte der AfD für die kommenden Landtagswahlen gewinnt der antifaschistischen Kampf immer mehr an Bedeutung. Jedoch wurde auch betont, dass weder SPD, Grüne noch FDP eine Alternative zur faschistischen AfD darstellen. Dies hbet sich durch die Abschiebeoffensiven gegen Migrant:innen und den Kriegskurs der Ampelregierung der letzten Monate einmal mehr bewiesen.

    Heiß diskutiert wurde die Frage nach dem Verhältnis von antifaschistischem Kampf und Klassenkampf. Hier gab es durchaus gewisse Unterschiede: Die Kommunistische Jugend war der Überzeugung, dass der antifaschistische Kampf Bestandteil des allgemeinen Klassenkampfes sein und sich dementsprechend diesem unterordnen müsse und nicht als isolierter Kampf gesehen werden dürfe.

    Dabei wurden neben vielem anderem v.a. die Notwendigkeit und der große Aufholbedarf innerhalb der revolutionären und kommunistischen Bewegung bezogen auf den militanten antifaschistischen Protest betont und diskutiert.

    AfD-Bundesparteitag verhindern!

    Am Ende der Konferenz kamen die Besucher:innen nochmal für ein Foto zusammen, um das, was in den Stunden davor theoretisch diskutiert wurde, in die Praxis umzusetzen. Dabei riefen die Teilnehmer:innen der Klassenkampfkonferenz zur Teilnahme an den #noAfD-Protesten gegen den Parteitag der AFD in Essen am 29. Juni auf und sandten Soli-Grüße an alle antifaschistischen Gefangenen und Untergetauchten.

    Und schließlich noch das zufriedene und mutmachende Fazit des Bildungs- und Kulturkollektivs Klassenbildung: „Bei unserer ersten Klassenkampfkonferenz konnten wir uns nicht nur über mehr als 350 Besucher:innen freuen. Wir haben es geschafft, mit verschiedenen revolutionären Organisationen, Projekten und unzähligen Menschen in Kontakt und Diskussion zu treten, unsere Erfahrungen miteinander zu teilen, voneinander zu lernen und sind damit einen wichtigen ersten Schritt hin zu einer solidarischen Kultur innerhalb der revolutionären Bewegung gegangen.“

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