Spontane Proteste gegen den Abschiebungsversuch eines 21-Jährigen Afghanen in Nürnberg.

Heute früh kamen Polizeieinheiten in die Nürnberger Berufsschule am Stadtpark. Dort nahmen sie einen 21-jährigen Afghanen in Gewahrsam, um ihn direkt zu seiner Abschiebungsstelle nach Afghanistan zu bringen. Daraufhin kam es zu einer spontanen Sitzblockade von 50 BerufsschülerInnen, die sich um die „Polizeiwanne“ setzten, mit dem der 21-Jährige weggefahren werden sollte. Daraufhin ging die Polizei massiv gegen die Sitzblockade vor. In der Zwischenzeit kamen immer mehr Schüler hinzu. Da die Polizisten die Blockade nicht völlig auflösen konnten, zerrten sie den Afghanen aus dem Mannschaftswagen in ein anderes Polizeiauto. Als der Polizeiwagen wegfuhr, wurde er von Dutzenden SchülerInnen verfolgt. Dabei kam es zu wieder zu Auseinandersetzungen mit der Polizei, die Pfefferspray und Schlagstöcke einsetzte. Die Bayrische Spezialeinheit „USK“ (Unterstützungskommando Bayern) wurde hinzugerufen, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. „Die Menschen vor Ort haben mit aller physichen Kraft die Abschiebung stundenlang blockiert.“ , beschrieb das Bündnis „Fluchtursachen bekämpfen“.

Im Anschluss demonstrierten 300 Menschen vom Berufsschulzentrum vor der Ausländerbehörde und forderten den Leiter und „Schreibtischtäter“ Olaf Kuch zu einem Gespräch auf, auf welches er sich nach kurzer Verhandlung einließ. Laut dem Bündnis „Fluchtursachen  bekämpfen“ durfte daraufhin eine Delegation aus Schülervertretung, Lehrerschaft und dem Flüchtlings- und Migrationsrat der Stadt Nürnberg „ein erfolgloses Gespräch“ mit Kuch führen.

Nach Informationen des „Bayerischen Flüchtlingsrates“ soll der junge Afghane seit circa vier Jahren in Deutschland leben und sehr gut Deutsch sprechen. Vor einem Jahr hatte er eine Ausbildung zum Schreiner begonnen.

Erst gestern Abend war in der afghanischen Hauptstadt Kabul in der Nähe der deutschen Botschaft eine Bombe explodiert. Mindestens 80 Menschen kamen ums Leben. Der für heute geplante Abschiebe-Flug nach Afghanistan wurde verschoben.

Das Bündnis „Fluchtursachen bekämpfen“ stellt dazu fest: „Der politische Apparat in Deutschland schreckt nicht davor zurück, Menschen in den sicheren Tod abzuschieben, ob Afghanistan, Äthiopien, Eritrea oder Ukraine. Wir bleiben dabei: kein Mensch ist illegal, Abschiebungen verhindern, Asylrecht zurückerobern.“

Video: http://www.focus.de/politik/videos/tumultartige-szenen-afghane-soll-aus-nuernberger-schule-abgeschoben-werden-verletzte-bei-demonstration_id_7200128.html