Zwangsevakuierte Dortmunder MieterInnen demonstrieren für Entschädigung und Ersatzwohnungen.

Es glich einer Evakuierung wie bei einem Hurrikan: innerhalb weniger Stunden mussten rund 800 BewohnerInnen den Wohnkomplex „Hannibal II“ in Dortmund am 21. September verlassen. Laut Stadt sei der Brandschutz nicht mehr gewährleistet. Bereits im Juni wurde ein Wohnhaus des selben Eigentümers in Wuppertal von der Stadt zwangsgeräumt.

Mittlerweile haben die BewohnerInnen schon drei Demonstrationen durchgeführt: am 14. und 28. Oktober und am 11. November. Auf die Beine gestellt hat dies die Mieter-“Initiative Hannibal II“, die sich auf Einladung einer linken Gruppe hin organisiert hat. Folgende drei zentralen Forderungen wurden aufgestellt:

„1. Sofortige finanzielle Entschädigung für alle!
2. Sofort Ersatzwohnungen der Stadt für alle. Falls das nicht möglich ist: Hotelzimmer auf Kosten der Stadt.
3. Überführung des Hannibal II in öffentliches Eigentum, damit die Stadt sofort mit der Sanierung beginnen kann.“

Viele MieterInnen kommen momentan zwangsläufig bei Verwandten unter oder wurden in ehemalige Geflüchtetenunterkünfte einquartiert. Dort gibt es kaum Privatsphäre und teilweise menschenunwürdige Wohnbedingungen. Des weiteren liegt keine der Notunterkünfte in Dorstfeld, sodass die Betroffenen weite Wege auf sich nehmen müssen, um zur Arbeit, Uni oder Schule zu kommen. Für die Fahrtkosten müssen die MieterInnen selbst in Vorkasse treten, um sich die Kosten dann mit bürokratischem Aufwand von der Stadt zurückerstatten zu lassen. Teilweise warten sie über einen Monat auf das Geld.

Mittlerweile glauben jedoch die wenigsten AnwohnerInnen noch daran, dass sie innerhalb der angekündigten zwei Jahre wieder einziehen können. Der Vermieter hat derweil Klage gegen die Zwangsräumung eingereicht.

Der Wohnkomplex Hannibal II wurde im Dezember 2011 durch die „Lütticher 49 Properties“ mit Sitz auf Zypern gekauft, die mit der Firma „Intown Property“ aus Berlin verbunden ist. Hinter dem – völlig intransparenten – Firmenverbund steht der israelische Großkapitalist Amir Dayan. Seiner Firma gehören Dutzende weiterer Immobilien in NRW und Deutschland.

Bereits Ende Juni war nach dem Brand im Londoner „Grenfell Tower“, bei dem 80 Menschen starben, ein Hochhaus des selben Eigentümers in Wuppertal geräumt worden. Es hatte sich herausgestellt, dass die Fassaden-Dämmung ähnlich der im Londoner Hochhaus war. Dies war der Grund, warum sich das Feuer dort so rasend schnell ausbreiten konnte. In Wuppertal hatte der Besitzer mehrfache Aufforderungen zur Instandsetzung der Wohnungen ignoriert.