„So soll die ganze Welt erfahren, wie Deutschland die Einwanderer behandelt.“

Am Freitag sind 209 Menschen aus Sierra Leone in dem Transit-Zentrum in Deggendorf in einen „Streik der geschlossenen Türen“ getreten. Darunter sind 44 Kinder und Jugendliche, 40 Frauen (davon zwölf Schwangere) und 125 Männer:

  • Die Kinder und Jugendlichen verweigern den Schulbesuch bzw. den Besuch des Deutschkurses.
  • Die erwachsenen BewohnerInnen verlassen die Unterkunft nicht und bestreiken ihre 80 Cent-Jobs.
  • Jetzt, am Samstag, 16. Dezember 2017, begannen sie mit einem Hungerstreik.

Am Montag wollen sie zum Stadtrat von Deggendorf gehen, um eine Demonstration durchzuführen. Der Schul- und Hungerstreik solle fortgesetzt werden. Laut einer Erklärung (hier im Wortlaut) soll damit „die ganze Welt erfahren, wie Deutschland die Einwanderer behandelt.“

Unmenschliche Zustände

Hintergrund des Protests sind vor allem die abgelehnten Asylbescheide. Die damit einhergehende Abschiebung nach Italien (aufgrund der Dublin-Vorkehrungen) würde zu „schwerer Folter“ und einem Leben auf der Straße dort führen. Sie kritisieren insbesondere die „erzwungene Abschiebung von Schwangeren, Kindern, kranken Menschen und stillenden Müttern.“

Daneben werden auch die Lagerbedingungen angeprangert. So monieren die Protestierenden, dass sie jetzt in dem Transit-Zentrum „für 2 Jahre statt der 6 Monate bleiben müssen, ohne Schulbildung und ohne Arbeitserlaubnis.“ Dort würden 8 Personen in einem Zimmer „mit schlechter Hygiene und wenigen Toiletten“ und außerdem sehr schlechter Qualität der Nahrung leben.

Transit-Zentren führen zu Isolation der Flüchtlinge

Die Transit-Zentren werden von der Organisation „Pro Asyl“ als „Isolation auf höchstem Niveau“ beschrieben: „Es gibt keine sozialen Kontakte, keinen Zugang zu Arbeit und Schule, keine Berücksichtigung des Kindeswohls. Der Kontakt zu Ehrenamtlichen und Unterstützer*innen wird verhindert, weil in diesen Zentren die Strukturen nicht so aufgebaut sind. Damit stehen sie sowohl im Asylverfahren als auch bei drohender Abschiebung ohne Hilfestellung da. Ohne Kontakte kann kaum eine Begleitung bei Anhörungen stattfinden, der Zugang zu Rechtsbeistand wird erheblich erschwert. Petitionen oder die Inanspruchnahme der Härtefallkommission sind so nicht möglich.“

Im aktuellen Fall scheint nun das Lager sogar zu versuchen, JournalistInnen den Zugang zum Zentrum zu verwehren mit der Begründung, dass dies ein „privates Lager“ sei.