Vor 100 Jahren trafen sich erstmals PolitikerInnen in Weimar, um dem kriegsgebeutelten deutschem Reich eine neue Verfassung zu geben. Doch wer waren die Stimmen hinter dieser Verfassung und worauf wurde sie errichtet? – Ein Kommentar von Max Rose

Verfassung auf Leichen

Am 6. Februar 1919 trat die so genannte „deutsche Nationalversammlung“ erstmals in Weimar zusammen. Ihr vorangegangen ist der erste Weltkrieg, der Millionen Tote gefordert hatte. Beendet wurde dieser Krieg nicht etwa durch die deutsche Heeresleitung, den Reichstag oder den Kaiser, der den Oberbefehl innehatte. Nein! Es waren die deutschen ArbeiterInnen und Soldaten, die sich gegen ein Fortführen des Krieges gestellt haben.

In Kiel übernahmen sie zuerst die Macht und organisierten sich in Arbeiter- und Soldatenräten.

Im Spartakusbund und der darauf folgenden Kommunistischen Partei Deutschlands kämpften sie für eine sozialistische deutsche Räterepublik. Diese Proteste und Kämpfe der deutschen ArbeiterInnen gingen in die Geschichte als Novemberrevolution ein.

100 Jahre Kommunistische Partei Deutschlands – eine Chronik

Doch diese Revolution, die für Frieden und Demokratie eintrat, wurde von nationalistischen und faschistischen Freikorps niedergeschossen. In der Parteizeitung der SPD, dem „Vorwärts“, wurde gegen die Revolution gehetzt und zur Ermordung der deutschen KommunistInnen Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg aufgerufen. Diese wurde später auch im Auftrag der SPD-Führung ermordet.

Nachdem das Verlangen des Volkes auf bestialische Art und Weise unterdrückt wurde, indem Tausende erschossen, gefoltert oder ins Zuchthaus gesteckt wurden, ließ sich die SPD selbst zur verfassungsgebenden Gewalt wählen.

Friedrich Ebert – Ein Anhänger der Monarchie

Natürlich ist hier nicht der Platz, jede einzelne Person aufzuführen, die an der Verfassung mitgeschrieben hat, doch eine Person muss hier genannt werden: Diese Person ist der damalige SPD-Vorsitzende und Reichskanzler Friedrich Ebert.

Ebert unterstütze, wie die SPD als ganze, die Kriegspolitik des Deutschen Kaisers. Die SPD verzichtete während des gesamten Weltkriegs im Rahmen des so genannten Burgfriedens auf jegliche Streiks, Proteste gegen die Regierung und den Krieg, der Millionen Menschen das Leben kostete.

Auch lehnte Ebert von Anfang an die Revolution ab und arbeitete mit dem früheren Reichskanzler Prinz Max von Baden am Erhalt der Monarchie. So soll Ebert wörtlich zu einem Parteifreund gesagt haben: „Deutschland ist nicht reif für eine Republik, und wir Sozialdemokraten, die dies wissen, fürchten den Augenblick, da die Masse, die Straße, unter dem Einfluss der Unabhängigen die Durchführung unseres Parteiprogramms von uns verlangt und eine Republik fordert.“

Ebert war kein Freund eines neuen demokratischen Deutschlands, sondern wollte lediglich den Kaiser austauschen, das bisherige Ausbeutungssystem erhalten und sich selbst einen dauerhaften Machtposten in der Regierung sichern. Dass ihm dies später als Reichspräsident gelang ist, kein Geheimnis. So war der Hauptbegründer der Verfassung selbst ein Feind der Demokratie.

Was am Ende bleibt: Aus der Geschichte lernen!

Die Weimarer Republik wurde auf den Leichen tausender ArbeiterInnen errichtet, die für Demokratie und Frieden auf die Straße gegangen waren. Die bürgerliche verfassungsgebende Versammlung konnte nur zusammen treten, weil sie von faschistischen Freikorps geschützt wurde, die die FührerInnen der Revolution ermordet hatten. Die Verfassung wurde von Anhängern der Monarchie geschrieben, und der erste Reichskanzler Friedrich Ebert war ein skrupelloser Machthaber, der auch vor Mord nicht zurückschreckte.

Also ist die Weimarer Republik kein Grund zum Feiern, sondern ein geschichtsträchtiger Augenblick, aus dem wir für heute lernen müssen. Sie zeigt auf, wie die Sozialdemokratie ihre AnhängerInnen missbraucht und dem ehrlichen Bestreben für Demokratie im Weg steht.

Auch heute existieren noch sozialdemokratische Organisationen und Parteien, welche die ArbeiterInnen für ihre Interessen missbrauchen und wirkliche Demokratie nur vortäuschen, anstatt sie zuzulassen. Hinter dem Feigenblatt der Sozialdemokratie verbirgt sich jedoch lediglich der Wunsch, selbst Teil des Herrschaftssystems zu sein – das sehen wir bei SPD, Grünen und Linkspartei ganz ähnlich wie bei unzähligen NGO, beispielsweise bei Greenpeace und Co., die letztendlich die kapitalistischen Probleme nur verwalten, anstatt sie zu lösen und die Menschen an wirklicher Demokratie teilhaben zu lassen.

Stellen wir uns dieser Sozialdemokratie und ihrem Scheinverständnis von Demokratie entgegen und setzen uns für eine wirkliche Demokratie ein, für ein freies Leben nach unseren ArbeiterInneninteressen. Wiederholen wir nicht die Fehler von 1918 und 1919 und lassen uns nicht erneut von ihnen täuschen – Erheben wir uns für Demokratie und Freiheit!

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