Bundesinnenministerium setzte die Abschiebung eines vermutlichen Komplizen des Attentäters vom Berliner Breitscheidplatz durch.

Oppositionspolitiker der Grünen und der Linkspartei zeigen sich empört über neue Enthüllungen im Focus. Ein möglicher Mittäter von Anis Amri, dem Attentäter vom Breitscheidplatz in Berlin, soll – ohne verhört worden zu sein – am 1. Februar 2017 – also gut einen Monat nach der Tat – abgeschoben worden sein (Link). Dem Focus zufolge sei neun Tage nach dem Terroranschlag beschlossen worden, Bilal Ben Ammar schnellstmöglich auszuweisen, um ihn vor Strafverfolgung zu schützen.

„Seitens der Sicherheitsbehörden und des Bundesinnenministeriums besteht ein erhebliches Interesse daran, dass die Abschiebung erfolgreich verlaufen soll“, so wird eine interne Mail des Innenministeriums an das BKA zitiert. Hintergrund könnte sein, dass Bilal Ben Ammar nicht nur Islamist, sondern auch eine Kontaktperson des marokkanischen Geheimdienstes war. Dieser hatte seinerseits das BKA mehrmals vor Amri gewarnt (Link).

Geheimdienst vertuscht V-Mann im Umfeld von Anis Amri

Brisanz gewinnt dieser Vorgang aus verschiedenen Gründen: Ammar hatte sich noch am Vorabend des Attentats mit Anis Amri in einem Restaurant getroffen. Auf seinem Handy fanden sich Fotos vom Breitscheidplatz – sowohl vor, als auch nach dem Attentat. Außerdem berichtet der Focus, dass auf einem bisher geheim gehaltenen Überwachungsvideo zu sehen sei, wie ein Passant versucht, Anis Amri an der Flucht zu hindern. Er wird jedoch von einem Mann, der Ammar ähnele, niedergeschlagen.

In Tunesien ist Bilal Ben Ammar unterdessen untergetaucht und kann somit unter anderem nicht erneut als Zeuge vom Untersuchungsausschuss vernommen werden (Link).

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