Erst das Konzert, dann LKWs als brennende Rammböcke. An der kolumbianisch-venezolanischen Grenze hat sich am Wochenende der Machtkampf um Venezuela zugespitzt. Das Internationale Rote Kreuz kritisiert die Instrumentalisierung humanitärer Hilfe.

Was für eine Show: Am vergangenen Samstag traten die lateinmerikanischen Superstars Luis Fonsi, Juanes und Maluma auf. Nicht irgendwo, sondern in der kleinen Grenzsstadt Cucutá. Sie liegt auf der kolumbianischen Seite an der Grenze zu Venezuela. Organisiert wurde das Konzert unter dem Motto „Venezuela Aid Live“ vom britischen Multi-Milliardär Richard Branson.

Und nur rund 300 Meter entfernt wurde auf der venezolanischen Seite der Grenze ein Konzert mit der Losung „Hände weg von Venezuela“ gegeben.

Am Abend sollten dann „Hilfskonvois“ mit Lebensmitteln von Kolumbien nach Venezuela über eine Brücke gebracht werden, die bereits seit längerem durch venezolanische Behörden blockiert ist. Die Lieferungen umfassten rund 190 Tonnen. Für die 30 Millionen Venezolaner würden das rund 6 Gramm pro Kopf bedeuten.

Brennende Rammböcke

Einige Tausend Demonstranten begleiteten den Konvoi in Richtung der verbarrikadierten Grenzübergänge. Dabei wurden sie dem lateinamerikanischen Portal „amerika21“ zufolge von Kolumbiens Nationalpolizei eskortiert und teilweise angewiesen. Noch auf der kolumbianischen Seite wurden die LKWs dann angezündet und als fahrende brennende Rammböcke weiter auf die Absperrungen losgeschickt. Dennoch kam es an keiner Stelle zu einem Grenzdurchbruch.

Im Verlauf der Durchbruchversuche soll es jedoch zu dutzenden Verletzten und auch Toten gekommen sein. Genaue Zahlen lassen sich derweil nicht bestätigen.

„Man muss kein Maduro-Fan sein, um den Putsch in Venezuela zu verurteilen“

Internationales Rotes Kreuz kritisiert Instrumentalisierung von Hilfslieferung

Derweil ist die politische Instrumentalisierung von „humanitärer Hilfe“ durch die venezolanische Opposition kritisiert worden. Francesco Rocca, Präsident der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften, betonte, humanitäre Hilfe müsse „neutral“ und „unabhängig“ sein.

Das Rote Kreuz hat deshalb eine Beteiligung an der Verteilung der „Hilfslieferungen“ der USA abgelehnt. Venezuela unterliegt paradoxerweise selbst seit längerer Zeit einer internationalen Blockade, unter anderem von Medikamenten.

Offene Militärintervention droht

Nachdem die „Hilfslieferungen“ gescheitert waren, trat der von den USA unterstützte Putschist Guaidó vor die Kameras und forderte das Ausland auf, weiterhin „alle Opitionen offen zu halten“. Damit ist auch eine militärische Intervention in Venezuela gemeint. Dies wird bereits seit Anfang Februar offen durch Guaidó und Vertreter der US-Regierung diskutiert.

Wie wenig Menschen die politische Agenda Guaidós jedoch unterstützten, zeigt sich darin, dass dieser sich gestern gezwungen sah, sogar als Verteidiger des Erbes vom verstorbenen Regierungschef Hugo Chavez aufzutreten: „Ich bezweifele, dass Hugo Chavez akzeptiert hätte, was Maduro Venezuela und der FAN gebracht hat.“ so Guaidó auf Twitter.

Bei den Fuerza Armada Nacional Bolivariana (FAN) handelt es sich um das venezolanische Militär, wie es durch den verstorbenen Präsidenten Hugo Chavez mit seiner “Bolivarianischen Revolution” geprägt wurde. Es hat seit der Präsidentschaft des linken Militärs Hogo Chavez im Jahr 1999 kontinuierlich an seiner Seite und auch dessen Nachfolgers Maduro gestanden. Bisher sind erst 160 der 350.000 Soldaten übergelaufen

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