Gestern wurden zwei Öl-Tanker in der Straße von Hormus angegriffen. Dies führt zu einer Zuspitzung der Spannungen zwischen den USA und dem Iran: Die USA beschuldigen den Iran, die Attacke durchgeführt zu haben. Der Iran spricht von einer „False Flag“-Aktion.

Es ist eine der wichtigsten See-Straßen der Welt – die Straße von Hormus. Über ein Drittel des weltweit gehandelten Öls bewegt sich über diese Route. Am Donnerstag wurden im dortigen Golf von Oman zwei Öl-Tanker angegriffen.

Zum einen der norwegischer Tanker „Front Altair“. Dort wurden eine Explosion und ein Brand an Bord gemeldet. Der andere Tanker „Kokuka Courageous“ wird unter anderem von einem deutschen Unternehmen geführt. „Die Besatzungsmitglieder sagen, dass sie von einem fliegenden Objekt getroffen wurden“, so der Chef der Schifffahrtsgesellschaft Kokuka Sangyo.

Beide Tanker drohen derweil nicht zu sinken. Bislang sind auch keine Verschmutzungen des Wassers festgestellt worden.

Genauer Verbleib der Seeleute bisher unklar

Über den Verbleib der Seeleute auf den Tankern gibt es widersprüchliche Informationen: Die iranische Nachrichtenagentur Irna hatte am Donnerstag gemeldet, die iranische Marine habe nach den Angriffen 44 Seeleute gerettet und sie in den iranischen Hafen Bandar-e Dschask gebracht. Am Freitag zeigte das iranische Fernsehen ein Video, das 23 Besatzungsmitglieder der „Front Altair“ wohlauf zeigen soll.

Die US-Marine erklärte dagegen, dass die 21 Crew-Mitglieder der „Kokuka Courageous“ von einem niederländischen Schlepper aufgegriffen und anschließend auf einen US-Zerstörer gebracht worden seien.

USA beschuldigen Iran

US-Präsident Donald Trump hat den Iran direkt für Angriffe auf die Öltanker im Golf von Oman verantwortlich gemacht. „Der Iran war es und das weiß man, denn man konnte das Boot sehen“, sagte Trump dem US-Sender Fox News. Dabei bezog er sich auf ein Video, das vom US-Zentralkommando vor Ort stammt.

Darauf sei ein iranischen Schnellboot vom Typ „Gaschti“ zu sehen, wie es auf den Tanker „Kokuka Courageous“ zufahre. Dort soll es eine nicht explodierte Haftmine vom Schiffskörper entfernt haben und danach wieder weggefahren sein. Hieraus wird umgekehrt geschlossen, iranische Kräfte hätten die Haftminen zuvor angebracht. Trump sagte dazu: „Sie wollten nicht, dass Beweise zurückbleiben.“

Bereiten die USA einen Krieg gegen den Iran vor?

Iran dementiert

Der Iran weist die „unbegründete Behauptung“ der USA kategorisch zurück und verurteilt sie „auf das Schärfste“, so die iranische Mission bei den Vereinten Nationen in einer Erklärung am Donnerstag. „Weder Fälschungen noch Desinformationskampagnen noch schamlose Schuldzuweisungen können die Realität ändern. Die USA und ihre regionalen Verbündeten dürfen nicht länger Kriegstreiber sein und müssen den schelmischen Verschwörungen und Operationen unter falscher Flagge in der Region ein Ende setzen.“

Die jüngsten Entwicklungen in der Region würden „als Beweis für die Dringlichkeit dienen“, einen Dialog zwischen allen regionalen Ländern „auf der Grundlage von gegenseitigem Respekt, Einbeziehung und Grundprinzipien des Völkerrechts“ zu führen.

EU und Deutschland halten sich zurück

Der Auswärtige Dienst der EU schloss sich den US-amerikanischen Schuldzuweisungen gegen den Iran vorerst nicht an: „Wir sind dabei, die Lage zu bewerten und Informationen zu sammeln“, sagte ein ranghoher EU-Beamter am Freitag in Brüssel.

Für den deutschen Außenminister Heiko Maas (SPD) sei der Vorfall „außerordentlich beunruhigend“. Sabotageakte seien generell immer eine Bedrohung für offene Handelswege und „aktuell auch eine Bedrohung für den Frieden“. Deutschland hat bedeutende wirtschaftliche Interessen im Iran.

Die Beziehungen zwischen dem Iran und den USA verschlechtern sich seit einem Jahr zunehmend – insbesondere, nachdem die USA aus dem Atom-Deal mit dem Iran ausgestiegen sind. Ende Juli drohte Trump dem Iran bereits offen mit einem Angriffskrieg.

Der Sicherheitsrat der UN kam zu einer Dringlichkeitssitzung hinter verschlossenen Türen zusammen.