Das Wirtschaftsverbrechen rund um den deutschen DAX-Konzern Wirecard zeigt Verbindungen zu Geheimdiensten und faschistischer Bewegung. So soll der flüchtige Wirecard-Manager Jan Marsalek Geheimdienstinformationen aus Österreich besessen haben und diese unter anderem an die rechte FPÖ weitergereicht haben. Auch soll er Insiderinformationen über die Formel des Nervengases „Nowitschok“ besessen haben.

Wie die österreichische Zeitung Die Presse berichtet, soll der ehemalige Wirecard-Manager Jan Marsalek geheime Informationen aus dem österreichischen Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) und dem Innenministerium an die faschistische Partei „Freiheitliche Partei Österreichs“ weitergegeben haben.

Demnach wird Marsalek in SMS-Chatprotokollen zwischen Ex-FPÖ-Politiker Johann Gudenus und dessen Vertrautem Florian S. erwähnt. S. soll geheime Informationen aus dem Innenministerium an Gudenus weitergegeben haben, berichtet Die Presse. Die Quelle dafür sei „Jan“ gewesen.

Gudenus stand im Zentrum des Skandals um das „Ibiza“-Video. Darin prahlte er zusammen mit dem ehemaligen FPÖ-Frontman Strache darüber, unter anderem Spenden von Großunternehmern am Staat vorbei zu schleusen.

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Darüber hinaus berichtet die Financial Times darüber, dass Marsalek in Großbritannien offenbar auch Geheimdienstdokumente in Finanzkreisen herumzeigte. Diese sollen unter anderem die Formel für das Nervengift „Nowitschok“ enthalten haben. Mit ihm sollen unter anderem 2018 der russische Ex-Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter im britischen Salisbury angegriffen worden sein.

Marsalek gehört neben dem kurzzeitig festgenommenen CEO zu den zentralen Figuren in dem deutschen Tech-Konzern. Im Jahr 2000 begann er seine Karriere bei Wirecard. Zum 1. Februar 2010 wurde er Chief Operating Officer und Vorstandsmitglied des Unternehmens. Sein Vermögen wird auf einen dreistelligen Millionenbetrag geschätzt. Zuletzt lebte er in München. Marsalek ist derzeit untergetaucht und wird mit internationalem Haftbefehl gesucht. Seine angebliche Einreise in die Philippinen am 23. Juni 2020 und seine Ausreise nach China am 24. Juni 2020 stellten sich als fingiert heraus.


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