Seit Monaten verhandeln die Gewerkschaft IG Metall und der Kapital-Verband Gesamtmetall über den kommenden Tarifvertrag in der Metall- und Elektroindustrie – bisher ohne Ergebnis. Gestern lief die Friedenspflicht aus, und die IG Metall startete mit großer Beteiligung der Beschäftigten in die Warnstreik-Phase.

Im Tarifkonflikt in der Metall- und Elektroindustrie haben sich heute knapp 60.000 Beschäftigte an Warnstreiks beteiligt (Stand: 14 Uhr). Aufgerufen hatte die Industriegewerkschaft IG-Metall, die in Deutschland über 2 Millionen Mitglieder hat.

Der Schwerpunkt der Warnstreiks lag am Dienstag laut einer Pressemitteilung der IG Metall in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Dort legten rund 22.300 Beschäftigte aus 28 Betrieben kurzzeitig die Arbeit nieder.

Rund 14.500 Beschäftigte aus 68 Betrieben traten in Hessen, Rheinland-Pfalz, Thüringen und dem Saarland kurzzeitig in den Ausstand. Allein beim Automobilzulieferer „ZF Friedrichshafen“ in Saarbrücken beteiligten sich 4.000 Metallerinnen und Metaller.

In Bayern legten knapp 9.000 Beschäftigte aus 24 Betrieben kurzzeitig die Arbeit nieder. Schon allein in Schweinfurt waren in den Nacht- und Normalschichten von „ZF“, „SKF“, „Schaeffler“, „Bosch Rexroth“, „ZF Aftermarket“ und „ZF Race Engineering“ 4.160 Beschäftigte im Warnstreik.

Mehr als 6.500 Beschäftigte traten in Baden-Württemberg in den Warnstreik. Zu den vielfältigen Aktionen gehörte beispielsweise ein Demo-Zug beim Autozulieferer „Mahle Behr“ in Stuttgart mit 650 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Im Norden Deutschlands folgten fast 2.600 Metallerinnen und Metaller aus 12 Betrieben dem Aufruf der Gewerkschaft zum Warnstreik.  Der größte Warnstreik fand hier bei „Daimler“ und dem Zulieferer „Lear“ in Bremen statt: 2.100 Beschäftigte beteiligten sich.

In Nordrhein-Westfalen beteiligten sich mehr als 3.800 Beschäftigte, in Berlin, Brandenburg und Sachsen waren es über 700 Kolleginnen und Kollegen.

Die Zeichen stehen auf Streik! – Oder nicht?

Hintergrund der Warnstreiks ist auch, dass der Kapitalverband Gesamtmetall in den anstehenden Verhandlungen noch kein Angebot vorgelegt hat, auf das die IG Metall eingehen könnte. Gesamtmetall will auch für 2021 eine doppelte Nullrunde, erst 2022 solle es eine Lohnerhöhung geben, die aber noch nicht beziffert wurde.

Die IG-Metall hatte im letzten Jahr bereits einer doppelten Nullrunde – also einem schmerzhaften Reallohnverlust – zugestimmt. Für diese Verhandlungsrunde war die Gewerkschaft bereits von ihrem Ziel von 4% Volumen zurückgetreten und hatte öffentlich erklärt, sich mit einer einfachen Nullrunde (also gerade einmal einem Ausgleich der Preissteigerungen) zufrieden zu geben.


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