Er war über 15 Jahre Vorsitzender des vielleicht bedeutsamsten Betriebsrats Deutschlands – nun will sich Bernd Osterloh in Zukunft auch ganz offiziell nur noch um die Interessen der VW-Aktionär:innen kümmern. Dafür nimmt er eine eigens für ihn geschaffene Personalvorstandposition im Vorstand der VW-Tochter „Traton“ an.

Das geht aus Informationen hervor, die dem Handelsblatt vorliegen. Demnach soll der 64-jährige, amtierende Vorsitzende des VW-Konzernbetriebsrats die Leitung über das Personalressort übernehmen. Diese Position würde neu geschaffen werden. Das Jahresgehalt liegt bei 2 Millionen Euro im Jahr. Damit würde der wichtigste Vertreter von Arbeiter:innen in einem der wichtigsten Konzerne Deutschlands sich in Zukunft ausschließlich um die Interessen der Aktionär:innen kümmern.

Das Handelsblatt spricht von einer „unerwarteten Personalie“, die in „vielerlei Hinsicht“ überraschend sei. So gelte Osterloh eigentlich als Gegner der strikten Umbaupolitik von Konzernlenker Herbert Diess.

Schaut man mit etwas Abstand auf die Frage, war Osterlohs Wechsel jedoch durchaus erwartbar. Schon früh zeigte Osterloh, dass er es versteht, im Interesse der Unternehmensführung und nicht der Arbeiter:innen zu handeln.

Im Jahr 2001 gründete die Volkswagen AG unter Zustimmung der IG Metall die Tochtergesellschaft „Auto 5000 GmbH“, mit der praktisch von Seiten der Gewerkschaft einer Outsourcing-Politik zugestimmt wurde. In dieser Tochter-Firma sollten 5.000 Arbeiter:innen zum Bruttogehalt von 5.000 DM arbeiten – also mit weniger Gehalt und zudem „flexibleren“ Arbeitsbedingungen als im Stammwerk.

Erdacht wurde die Idee vom damaligen Personalvorstand Peter Hartz (der später auch Namensgeber von Hartz IV wurde). Osterloh war seit dem Jahr 2000 der dafür Verantwortliche im zuständigen Ausschuss des Betriebsrats.

2005 trat er in die Fußstapfen von Klaus Volkerts, der –  infolge von offener Bestechung durch die VW-Führung unter anderem mit Luxusreisen und Sexpartys – zurücktreten musste. Später wurde er zum Gesamtbetriebsratsvorsitzenden aller VW-Werke und schließlich zum Konzernbetriebsratsvorsitzenden gewählt.

Laut Handelsblatt verkörperte SPD-Mitglied Osterloh schon damals „den neuen Typ des Arbeitnehmer-Managers“ und laut Frankfurter Allgemeine Zeitung den des „Co-Managers“. Dies machte er offenbar so gut, dass ihn schon im Jahr 2015 der damalige Vorstandschef Martin Winterkorn auf Konzernebene zum Personalvorstand machen wollte. Damals lehnte Osterloh noch ab, jetzt will er offenbar diesen Schritt gehen – in den Vorstand von Traton.


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