Inmitten von Wirtschaftskrise und Pandemie erleben wir einige der schwersten Angriffe auf uns in den letzten Jahrzehnten. Dennoch steht die Arbeiter:innenklasse am 1. Mai 2021 politisch und organisatorisch weitestgehend entwaffnet da. Wie können wir diesen Zustand überwinden? – Ein Kommentar von Julius Strupp

Die Verhältnisse schreien nach Veränderung!

Wir befinden uns derzeit in einer der schwersten Wirtschaftskrisen der Geschichte und zugleich in einer Pandemie, die die ökonomische Krise noch einmal verschärft hat. Die Lebensbedingungen von der Mehrheit der Menschen haben sich zugespitzt. So haben allein im vergangenen Jahr mehr als eine Million Arbeiter:innen in Deutschland ihre Jobs verloren. Die Menschen vereinsamen in beengten Wohnverhältnissen in den ärmeren Stadtvierteln, in denen gleichzeitig das Coronavirus grassiert. Auch patriarchale Gewalt gegen Frauen und psychische Erkrankungen im allgemeinen nehmen zu.

Psychische Erkrankungen unter Frauen steigen in der Pandemie drastisch an

Der staatliche Ausnahmezustand nimmt ebenso kein Ende. Im Windschatten der Pandemie werden systematisch die demokratischen Rechte der breiten Bevölkerung ausgehöhlt, wie zum Beispiel durch die teilweise Aushebelung des Demonstrationsrechts und die Möglichkeit, bundesweit Ausgangssperren zu verhängen. Auch mit Vorhaben wie dem neuen Telekommunikationsgesetz wird ein autoritärer Staatsumbau vorangetrieben.

Die ökologische Krise des Kapitalismus‘ hat sich weiter verschärft, auch wenn sie ein ganzes Stück weit aus dem Bewusstsein verschwunden ist.

Was wir brauchen, ist also eine gesellschaftliche Kraft, die verhindern kann, dass diese Krise weiter auf unserem Rücken ausgetragen wird und eine, welche die Angriffe auf unsere Lebensbedingungen und Rechte zurückschlagen kann. Die einzige Kraft, deren Bedeutung und Stärke groß genug wäre, um das zu vollbringen, ist eine kämpferische Arbeiter:innenbewegung!

Schule, Uni, Viertel, Betrieb: Die Bewegung an allen Fronten aufbauen!

Die revolutionäre Arbeiter:innenbewegung ist heute von der Bildfläche verschwunden. Hört man einmal von Streiks, handeln an deren Ende die reformistischen Gewerkschaftsführer:innen Nullrunden und faktische Lohnsenkungen aus.

Wie bauen wir also eine alternative Bewegung wieder auf? Das tun wir am besten in unserem Alltag. Und zwar überall dort, wo heutige und zukünftige Arbeiter:innen und andere unterdrückte Menschen zusammenkommen, also in unseren Betrieben, Stadtteilen, Schulen und Universitäten. Hier müssen wir unsere Mitmenschen politisieren und kämpfende Kollektive schaffen – Organisationen, die wirklich in unserem Interesse handeln und an denen wir uns beteiligen.

Zentral sollte dabei die Forderung sein, dass diese Krise nicht auf unserem Rücken ausgetragen wird!

Gleichzeitig gewinnt auch der antifaschistische Kampf in der Krise eine neue Qualität. Umso mehr, da der Staat auf der einen Seite reaktionäre und autoritäre Gesetze durchdrückt, während die Faschist:innen sich auf der anderen Seite als die neuen Antifaschist:innen aufspielen. Wir müssen sie entlarven und den antifaschistischen Kampf sowohl gegen den Staat führen, der uns unterdrückt und die Nazis unterstützt, als auch gegen die Faschist:innen, die uns spalten wollen.

Wir dürfen aber nicht dabei stehen bleiben, bloße Abwehrkämpfe gegen Staat, Unternehmen und Faschist:innen zu führen. In den verschiedenen Aktionen müssen wir auch das Bewusstsein darüber verbreiten, dass eine andere und bessere Welt möglich ist. Eine Welt, in der nicht mehr die großen Monopole, sondern wir herrschen.

Die Kämpfe miteinander verbinden!

Damit die verschiedenen Kämpfe allerdings ihre volle Schlagkraft entwickeln können, ist es notwendig, dass es eine politische Kraft gibt, die sie verbindet, ihnen eine gemeinsame Richtung und ein konkretes Programm geben kann.

Eine solche politische Kraft wäre eine Partei unserer Klasse, eine Arbeiter:innen-Partei, wie sie zum Beispiel die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) war. Eine solche Partei müsste jedoch etwas ganz anderes sein als die politischen Parteien, die heute im Bundestag sitzen. Diese Parteien sind voll von Volksver- und ‚zer’treter:innen, die hauptsächlich auf ihre eigenen Vorteile bedacht sind. Für eine wirkliche Partei der Arbeiter:innenklasse wäre das Parlament nur ein Nebenkriegsschauplatz. Ihr Hauptaugenmerk müsste darauf liegen, die ehrlichsten und konsequentesten Kämpfer:innen für die Befreiung der Arbeiter:innenklasse zusammenzuschließen, auszubilden und im Kampf gegen dieses System zu vereinigen.

Auch wenn die Krise gerade auf unserem Rücken ausgetragen wird, wir entwaffnet sind und uns schwach fühlen, werden wir uns im politischen Kampf unserer Kraft als Klasse bewusst werden. Mit einer kämpfenden Partei und einer neuen, kämpferischen Arbeiter:innenbewegung, die alle gesellschaftlichen Kräfte gegen den Kapitalismus verbindet, werden wir diese Power voll entfalten können.

Bauen wir also auch nach den Demonstrationen zum heutigen 1. Mai in unserem alltäglichen Lebensumfeld Stück für Stück die Alternative für uns Arbeiter:innen in Deutschland und weltweit auf!


Wir schreiben für Perspektive – ehrenamtlich und aus Überzeugung. Wir schalten keine Werbung und nehmen kein Geld von Staat oder Konzernen an. Hilf' uns dabei, unseren unabhängigen Journalismus zu erweitern: mit einer einmaligen Spende, einem regelmäßigen Beitrag bei Paypal, Steady oder am besten als Mitglied in unserem Förderverein.