In einer großangelegten Operation hat die Polizei heute Wohnungen von Faschist:innen in 11 Bundesländern durchsucht. Die bekannten Ermittlungsergebnisse werfen ein Licht darauf, wie stabil Nazi-Strukturen bei wechselndem Namen bleiben.

Die Generalstaatsanwaltschaft hat heute Morgen die Durchsuchung von 61 Wohnungen und anderen Gebäuden veranlasst. Dies ist Teil von Ermittlungen gegen ein weit verzweigtes Netzwerk von Faschist:innen, insgesamt ist die Rede von 50 Beschuldigten in 11 Bundesländern.

Die Ermittlungen teilen sich dabei in verschiedene Bereiche auf: einem Teil der Beschuldigten wir d die Bildung einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen, einem anderen die Bildung einer kriminellen Vereinigung und einem weiteren Teil die Fortführung einer verbotenen Organisation.

Letzteres dürfte sich auf die Ermittlungen wegen der Fortführung von “Combat 18” beziehen. Dies ist der Vorwurf, der gegen die meisten Personen( 21) im Raum steht: “Combat 18” gilt als bewaffneter Arm der stramm neonazistischen Organisation “Blood  & Honour” und wurde im Jahr 2020 schließlich verboten.

Zuvor hatten Mitglieder sich jahrelang in der Nazi-Kampfsportszene vernetzen, den bewaffneten Kampf gegen fortschrittliche Menschen und Migrant:innen propagieren können und offenbar auch die konkrete militärische Ausbildung ihrer Anhänger organisiert.

So war 2017 eine Gruppe dieser Organisation abgefangen worden, nachdem sie sich in Tschechien an Schießtrainings beteiligt hatte. Auch zahlreiche Querverbindungen zwischen Combat 18 und dem “NSU” lassen sich nachzeichnen.

Weiterhin wird gegen Mitglieder der sogenannten “Atomwaffendivision” (AWD) ermittelt. Nach den Erkenntnissen der Ermittler stamme diese aus den USA. Dort hat sie der Neonazi James Mason ins Leben gerufen, der unter anderem zu “zufälligen Schießereien”, aber auch zu “gezielten zeitgleichen Tötungsaktionen” aufruft.

Zunächst galt der AWD-Ableger in Deutschland als eine Art Internetphänomen, der martialische Droh- und Propagandavideos produziere, aber ansonsten das Werk von einer Clique Nazi-Computer-Nerds sei.

Amerikanische “Atomwaffen Division” auch in Deutschland vertreten

So war eine der ersten Aktionen der Gruppe die Verteilung von Flugblättern in zahlreichen Großstädten. Gegen diese Interpretation spricht jedoch, dass der Organisation in den USA mittlerweile 5 Morde zur Last gelegt werden, und auch in Deutschland spricht die koordinierte Gründung in zahlreichen Bundesländern dafür, dass bestehende Strukturen in eine neue Form geschlüpft sind.

Zumindest hat eines der mutmaßlichen Mitglieder dieser Organisation schon an anderer Stelle gezeigt, dass er dieses Vorgehen beherrscht, um dem Repressionsdruck des Staates zu entgehen.

Leon R. aus Eisenach dürfte nach dem bekannt gewordenen Ermittlungsstand eine Art Verbindungsglied zwischen der AWD und lokalen Neonazi-Strukturen sein. Die Gruppe “Nationaler Aufbau”, der er angehörte, stand 2019 kurz vor dem Verbot und löste sich dann präventiv selbst auf. Wenig später tauchte jedoch in Eisenach “Knockout 51” auf, das als Kampfsport-Netzwerk firmierte.

Konkret soll Knockout 51 aber versucht haben, eine befreite Nazi-Zone in Eisenach mit Stadtpatrouillen durchzusetzen. 4 ihrer Mitglieder seien im Zuge der Razzien festgenommen worden. Sie sind bislang die einzigen Verdächtigen, die festgenommen wurden.

 

 


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