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Donnerstag, Mai 30, 2024
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    Hagen: Weiterer Tod in Polizeigewahrsam

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    Vor wenigen Tagen in Duisburg und jetzt auch in Hagen, einer weiteren Stadt im Ruhrgebiet: Auch hier gab die Polizei Hagen gestern bekannt, einen Mann am Samstagmorgen leblos ins seiner Zelle gefunden zu haben. – Ein Kommentar von Fridolin Tschernig

    In der Nacht von Freitag auf Samstag nahm die Polizei Hagen einen Mann in der Innenstadt fest. Um 22 Uhr soll er abgeführt worden sein. Er sei wegen Drogendelikten gesucht gewesen und ein Haftbefehl hätte ausgestanden, so die Polizei in ihrer Pressemitteilung.

    Dann habe man den Mann in eine Zelle gesperrt. Viereinhalb Stunden später, um 2:30 Uhr, habe dann ein Polizist bemerkt, dass der Festgenommene sich gar nicht mehr bewege. Auch das Hinzuziehen eines Notarztes hätte sein Leben nicht mehr retten können. Es gäbe aber keinerlei Hinweise auf Fremdverschulden.

    Unklarheiten über Unklarheiten

    Auch zu diesem Fall herrschen noch große Unklarheiten, wie es bei Fällen von mutmaßlicher Polizeigewalt oder gar Polizeimord üblich ist. Offene Fragen sind beispielsweise: Woran ist der 47-Jährige gestorben? Wie war der Ablauf der Festnahme? Wie ging es ihm bei und kurz nach der Festnahme? Waren Bodycams eingeschaltet? Wie sah die Zeit von seiner Festnahme bis zum festgestellten Tod aus? War der Zellenbesuch um 2:30 Uhr der einzige? Wann wurde er das letzte Mal lebendig gesehen?

    Da es keine öffentlich bekannten Zeug:innen gibt, die beobachten konnten, wie die Festnahme abgelaufen ist, kann man sich hier nur auf die Aussagen der Polizei „stützen“. Am Montag soll eine Untersuchung der Leiche weiteres Licht ins Dunkel bringen. Aber auch diese ist vom Staat finanziert und hat bei Fällen wie dem Mord an Oury Jalloh – trotz widersprüchlicher Ergebnisse und Gutachten – am Ende der Darstellung der Polizei Recht gegeben.

    Polizeimorde im Ruhrgebiet

    In letzter Zeit häufen sich die Angriffe der Polizei besonders im Ruhrgebiet. “Racial profiling” oder bewusste Eskalation von Situationen sind hier, wie mittlerweile in ganz Deutschland, an der Tagesordnung. Am Donnerstag erst wurde in Duisburg ein 56-Jähriger durch gezielte Schüsse der Polizei ermordet. Und das alles nur wenige Tage nach den Aktionen in Gedenken an Mouhmad Dramé. Er war ein junger Migrant aus Dortmund, der vor einem Jahr von der Polizei erschossen worden war, ebenso wie Adel B., der 2019 in Essen durch die Kugeln der Polizei starb.

    Die Ermittlungen danach verlaufen immer im Sand. Es sei am Ende ja niemand so wirklich schuld, es sei Notwehr gewesen oder man habe es einfach nicht bemerkt, dass da jemand in der Zelle tot rumliegt. Solche Ausreden werden gerade bei rassistisch motivierten Polizeimorden gern veröffentlicht. Ernsthafte Ermittlungen? – Fehlanzeige. Polizist:innen schützen schließlich Polizist:innen.

    Bei dem Mord an Mouhamed Dramé vor einem Jahr übernahm die Polizei Recklinghausen die Ermittlungen und bis jetzt ist niemand festgenommen worden. Bei dem Fall in Duisburg übernimmt die Polizei Düsseldorf die Ermittlungen und bei dem in Hagen die Polizei Wuppertal. Dabei hat die Polizei in Wuppertal selbst keine weiße Weste: 2021 ermordete sie nämlich Giorgos Zantiotis und log sich auch hier eine Rechtfertigung zusammen. Damals übernahm nebenbei die Polizei Hagen die Ermittlungen.

    Sowohl in Hagen als auch in Duisburg wird bereits zu Protesten aufgerufen. Am Montag, 21.8., ist eine Kundgebung um 18 Uhr in der Klever Straße 35 in Duisburg angekündigt und am Dienstag, 22.8., soll um 18:30 Uhr eine Kundgebung vor dem Landgericht Hagen stattfinden. Die Ergebnisse der Obduktion in Hagen sollten bis dahin öffentlich sein.

    • Seit 2022 Autor bei Perspektive. Schreibt als Studierender aus Sachsen insbesondere internationalistisch über die Jugend, Antimilitarismus und das tagespolitische Geschehen. Vorliebe für Gesellschaftsspiele aller Art.

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