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Freitag, April 19, 2024
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    Angriff auf iranische Botschaft in Syrien – Israel testet seine Limits

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    Nach einem israelischen Luftangriff auf die iranische Botschaft in Syrien spitzt sich die Situation in Westasien weiter zu. Der Iran droht mit einer „scharfen Reaktion“. Israel testet zunehmend seine Limits aus.

    Am Montag wurde ein Konsulargebäude der iranischen Botschaft in der syrischen Hauptstadt Damaskus angegriffen. Dem syrischen Verteidigungsministerium zufolge ging der Beschuss von den, von Israel besetzten, Golanhöhen aus. Bei dem Angriff starben insgesamt elf Menschen. Laut der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte waren unter den Opfern zahlreiche Mitglieder der Iranischen Revolutionsgarden und unter anderem mit Kommandeur Mohammed Resa Sahedi und Mohammed Hadi Hadschi Rahimi zwei ranghohe Vertreter der al-Quds-Brigaden. Diese gelten als Eliteeinheit der iranischen Revolutionsgarden.

    Verschiedene Sprecher des iranischen Staats kündigen nun Vergeltungsschläge und „Antworten“ auf den Angriff an: „Die Islamische Republik Iran behält sich das Recht vor, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, und entscheidet über die Art der Reaktion“, so Irans Außenminister, Nasser Kanaani. Auch die islamisch-fundamentalistische Hisbollah im Libanon drohte Israel mit „Strafe und Rache“ für den Angriff. Ob und wie die iranische Staatsmacht auf den Angriff reagiert, bleibt dabei noch offen.

    Regionalmacht Israel testet seine Limits

    Zwar liegt der Fokus der israelischen Streitkräfte und der israelischen Expansionspolitik aktuell auf der Besatzung des Gaza-Streifens – hier insbesondere auf der Vorbereitung einer Bodenoffensive in dem letzten übriggeblieben Teil Rafah. Dennoch kam es auch in jüngster Vergangenheit immer wieder zu Angriffen seitens Israel auf umliegende Nationalstaaten: zum Beispiel im Januar, als Israel mit einem Drohnenangriff am libanesisch-israelischen Grenzgebiet mehrere Hamas-Führer gezielt ermordete und Diskussionen über eine mögliche Ausweitung des Kriegs in Westasien entfachte.

    Zwar haben verschiedene Großmächte wie die USA aber auch Deutschland schon mehrere Male betont, dass sie im Rahmen ihrer geostrategischen Ausrichtungen kein Interesse an einer Eskalation und Ausweitung in einen regionalen Krieg haben. Israel hingegen scheint sein Ziel klar vor Augen zu haben und ignoriert dabei die – meist nur rhetorischen – Kritiken und Ermahnungen seiner amerikanischen und deutschen Bündnispartner.

    Der Grund, warum Israel seine Interessen ohne wirklichen Widerstand seitens der USA oder anderen Großmächten durchsetzen kann, liegt daran, dass der Krieg in Palästina – so sehr er auch die Medienlandschaft dominiert – nicht der strategische Schwerpunkt in der Vorbereitung auf einen kommenden dritten Weltkrieg ist. Dieser Fokus liegt vor allem auf dem sich entfaltenden Konflikt zwischen den USA und China, der sich zunehmend im Kampf um die Insel Taiwan ausdrückt und die Kräfte dieser Länder bündelt.

    Regionalmächte wie Israel, Iran oder auch Aserbaidschan bekommen dadurch die Möglichkeit, die Grenzen ihres Handlungsspielraums immer regelmäßiger und offensiver auszutesten, ohne mit Sanktionen, militärischen Interventionen oder dem Abbruch von Verhandlungen rechnen zu müssen.

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    In diesem Kontext müssen also auch die Angriffe auf die iranische Botschaft beurteilt werden: Abgesehen von dem „Austesten der Gewässer“ sollen durch solche Angriffe natürlich auch die lokalen Milizen, wie die der Hisbollah oder der „Achse des Widerstandes“ in Zaum gehalten werden. So kommentiert auch der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Ramy Abdoulrahman: „Dieser Angriff ist eine Fortsetzung anderer Angriffe auf iranisches Personal in dieser Region. Er soll die Hisbollah und andere verunsichern.“

    Ob nun wirkliche eine Eskalation des Kriegs droht, bleibt offen und hängt vor allem von den Interessen der israelischen und iranischen Führung, sowie den konkreten Kräfteverhältnissen in der Region ab.

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