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Mittwoch, Mai 29, 2024
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    Westasien: Kommt es zum regionalen Krieg?

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    Bereits seit Monaten schwelt ein regionaler Krieg niedriger Intensität in Westasien, in dessen Zentrum der Gaza-Krieg steht. Doch nun droht eine direkte Konfrontation zwischen den zwei Regionalmächten Israel und Iran.

    Die Spannungen zwischen Israel und dem Iran scheinen kurz vor einer Eskalation zu stehen. Schon seit einigen Tagen deuten immer mehr Signale darauf hin, dass der Iran einen größeren Angriff auf den regionalen Rivalen plant. Laut eines Bericht des Wall Street Journal gehen amerikanische Geheimdienstquellen von einem Angriff in den nächsten 24-48 Stunden aus. Laut ABC News hat Iran mehr als 100 Marschflugkörper für mögliche Angriffe auf Israel vorbereitet.

    Wie ernst die Lage derzeit ist, zeigt sich auch daran, dass sowohl Frankreich als auch Deutschland alle eigenen Staatsbürger:innen am Freitag dazu aufriefen, den Iran umgehend zu verlassen. Österreichische und deutsche Fluggesellschaften strichen alle Flüge in Richtung Teheran. Mittlerweile scheint auch der Luftraum über Israel weitgehend leer zu sein.

    Angriff auf iranische Botschaft in Syrien – Israel testet seine Limits

    Amerikanische Beistandsbekundungen

    Der amerikanische Präsident Biden hat in einer Stellungnahme erklärt, dass er „eher früher als später“ mit einem iranischen Angriff auf Israel rechne. Bei einem Angriff auf Israel würden die USA „aufopferungsvoll für die Verteidigung Israels eintreten“. Auf die Frage, was seine Nachricht an den Iran sei, antwortete er mit „Don’t“.

    Seit einigen Tagen befindet sich bereits der höchste Kommandeur des amerikanischen Militärs in der Region in Israel, um mögliche militärische Reaktionen zu koordinieren. Auch der Flugzeugträger Eisenhower wird näher an Israel herangeführt, um mögliche iranische Raketen abzufangen. Die USA haben zudem ihre Truppen in Jordanien verstärkt. Unter anderem wurde ein militärisches Großraumtransportflugzeug des US-amerikanischen Militärs auf die „Al-Salti Air Base” in Al Azraq verlegt.

    Arabische Staaten erklärten jedoch, dass sie Angriffe von auf ihrem Territorium stationierten amerikanischen Militärbasen auf iranisches Gebiet nicht zulassen würden. Auch die Türkei erklärte, ihren Luftraum nicht für amerikanische Angriffe auf den Iran zur Verfügung zu stellen – dies ist bemerkenswert, da die Türkei ein NATO-Land ist.

    Derzeit zeigen sich eine ähnliche Dynamik und Rhetorik wie kurz vor dem russischen Einmarsch in der Ostukraine am 24. Februar 2022. Knapp zwei Wochen vor der Eskalation hatten amerikanische Geheimdienste nach eigenen Angaben den 16.-20. Februar als Termin herausgefunden. Daraufhin wurden weitere 3.000 Soldat:innen nach Polen entsendet.

    Iran in Vorbereitung

    Iran-nahe Medien berichten derweil davon, dass den Tag über Krisendiplomatie stattfinde. So versuchen mehrere Staatschefs die iranische Regierung von einem Angriff auf den Erzfeind abzubringen – bisher scheinbar ohne Erfolg. Gleichzeitig sollen in Syrien vom Iran unterstützte Milizen in hohe Alarmbereitschaft versetzt worden sein.

    Den aktuellen Spannungen vorausgegangen war eine israelische Attacke auf die iranische Botschaft im syrischen Damaskus Anfang des Monats. Dabei waren mehrere hochrangige Generäle gezielt getötet worden, darunter auch ein führender Militär des Iran in Syrien und dem Libanon. Tatsächlich werden Botschaften nach dem „Wiener Übereinkommen“ politisch ähnlich wie ein „Staatsgebiet“ des jeweiligen Landes, dessen Teil die Botschaft ist, gewertet. Aus diesem Grund sprach der Iran auch von einem Angriff auf das eigene Territorium.

    Anfang der Woche hatte der iranische Außenminister erklärt, deshalb einen Vergeltungsschlag anzustreben. In diesem Kontext ist wiederum auch der Teilabzug der israelischen Armee aus dem Gaza-Streifen zu verstehen, ebenso die Verlagerung von militärischen Kräften in Richtung Libanon, wo es bereits seit langem zu Scharmützeln mit der Hisbollah-Armee kommt. Eine Eskalation des Kriegs mit dem Iran könnte auch eine Eskalation mit der Hisbollah bedeuten.

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