Bürgermeister stellt sich Gespräch – Frau bricht zusammen.

Im bayrischen Bamberg haben heute rund 200 Geflüchtete gegen die Situation in ihrer Asylunterkunft sowie Abschiebungen protestiert. Die Demonstration stand unter dem Motto „Gegen die Unmenschlichkeit! Stoppt das Lagersystem! Wir sind Geflüchtete, keine Gefangene!“.

Wie ein Sprecher des Bündnis ‚Fluchtursachen bekämpfen‘ gegenüber Perspektive Online berichtete, zog die laute und kämpferische Demonstration von der Aufnahmeeinrichtung Oberfranken hin zum Rathaus. An der Demonstration beteiligten sich neben Geflüchteten aus Deggendorf und München auch UnterstützerInnen.

Vor Ort beschlossen die Geflüchteten, den Rathausvorplatz nicht zu verlassen, solange es keine offizielle Antwort auf ihren Aufruf und Forderungskatalog gebe.

„Niemand kann so leben.“

In ihrem Aufruf beklagen sie die Zustände in ihrer Asylunterkunft: Abgelehnte Asylbewerber bekämmen nur noch Sachleistungen, Babynahrung sei dabei nicht vorgesehen. Kinder dürften nicht zur Schule gehen, auch Erwachsene hätten keinen Anspruch auf einen Deutschkurs. Es herrsche kaum Privatsphäre, ohne Vorankündigung könnten die Räume der Unterkunft durchsucht werden. Jederzeit droht die sofortige Abschiebung. Im Aufruf heißt es: „Niemand kann so leben.“

Bürgermeister stellt sich Gespräch – Frau bricht zusammen. 

Nach Ankunft vor Ort versuchte eine Delegation der Geflüchteten mit anwaltlicher Unterstützung das Rathaus zu betreten, was die Polizei verhinderte. Kurz darauf stellte sich der Bamberger Bürgermeister einem Gespräch. Im Zuge dessen brach eine Frau mit einem Kleinkind auf dem Arm zusammen  – der Bürgermeister zog sich zurück. Sie wurde zur Erholung kurzzeitig ins Rathaus gebracht, ihr geht es jedoch wieder gut.

Die Pressesprecherin der Stadt Bamberg sicherte daraufhin mündlich zu, dass die Geflüchteten innerhalb von einer Woche eine Antwort erhalten würden.

Securities warten vor dem Lager

Bei Rückkehr erwarteten die Geflüchteten in ihrem Lager statt der üblichen handvoll nun knapp 20 Sicherheits-Angestellte. Diese nahmen die Geflüchteten die Trillerpfeifen ab, welche diese auf der Demonstration noch genutzt hatten. Der Sprecher von ‚Fluchtursachen bekämpfen‘ bezeichnete dies als „Schikane“, er geht jedoch davon aus, dass die Proteste auch in Zukunft weitergehen werden. Auch im Aufruf der Geflüchteten heißt es dazu bereits: „Wir werden für das Recht zu leben kämpfen – und für das Recht, wie Menschen behandelt zu werden. Wir sind hier – und wir werden bleiben!“