Die Rechtsanwältin Seda Başay-Yıldız hat erneut ein Drohschreiben erhalten, das mit „NSU 2.0“ unterzeichnet wurde. Erst kürzlich wurden fünf Polizisten verdächtigt, im vergangenen August ein Fax an sie verfasst zu haben, und suspendiert. Doch auch der neue Brief enthält wieder nicht-öffentliche Information, die auf Polizeiquellen hinweisen. Wie groß ist das faschistische Netzwerk in der Polizei?

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, enthält der neue Brief die Namen von Başay-Yıldız‘ Vater, ihrer Mutter, ihres Mannes und ihrer Tochter, die bei ihr zuhause gemeldet sind. Laut der Rechtsanwältin könne man diese Informationen nicht aus öffentlichen Quellen auslesen. So sei ihr 79-jähriger Vater beispielsweise nicht in sozialen Medien aktiv.

„Deiner Scheiß-Tochter reißen wir den Kopf ab“

Bereits in dem ersten Drohschreiben aus dem August waren nicht-öffentliche Informationen genutzt worden. So wurde die zwei-jährige Tochter der Anwältin konkret mit Namen benannt, und es wurde damit gedroht das Kind „abzuschlachten“. Ermittlungen führten zu einer faschistischen Zelle innerhalb der Polizei, welche die Daten mit einem Polizeicomputer abgerufen hatte. Auf ihren Handys fanden sich unter anderem Chats, die den Hitler-Faschismus verherrlichten.

Im neuen Brief wird nun auf die anschließende Suspendierung der fünf Polizisten Bezug genommen: „Dir hirntotem Scheißdöner ist offensichtlich nicht bewusst, was du unseren Polizeikollegen angetan hast! Allerdings kommt es jetzt richtig dicke für dich, du Türkensau! Deiner Scheiß- (Name der Tochter) reißen wir den Kopf ab … und der Rest eurer Dönercrew wird ebenfalls kompetent betreut werden.“ Erneut ist der Brief mit „NSU 2.0“ unterzeichnet.

Bereiten sich faschistische Elitesoldaten auf Erschießung von linken Politikern vor?

Wie groß ist das faschistische Netzwerk in der Polizei?

Der Drohbrief ist nun der dritte Fall binnen kurzer Zeit, bei dem Faschisten auf Grundlage von höchstwahrscheinlich polizeiinternen Informationen agieren konnten. Neben dem ersten „NSU 2.0“- Drohbrief war Anfang Januar bekannt geworden, dass auch ein Mitglied der faschistischen „Aryan“-Organisation Informationen von einem hessischen Polizisten zugespielt bekam.

Die Polizei selbst scheint das Bedrohungspotenzial der eigenen rechten Kollegen ernst zu nehmen. So beruhigten sie Başay-Yıldız zwar bei einem kürzlichen Besuch, dass für sie keine Gefahr bestehe – schlugen ihr aber gleichzeitig vor, ihr einen Waffenschein zu besorgen.

„Ich soll mich bewaffnen? In Deutschland? Nur, um meiner Arbeit als Anwältin nachzugehen?“, so die Anwältin zu diesem Vorfall gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

Die Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz ist in der Vergangenheit sowohl als Nebenklage-Vertreterin im Prozess gegen die faschistische Terrororganisation „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) in München, als auch als Vertreterin von islamistischen Gefährdern aufgetreten.