Am 19. Februar ermordete ein Rechtsterrorist in Hanau zehn Menschen. Einen Tag später fand am Brandenburger Tor eine Mahnwache für die Opfer statt. Eine geplante Karnevalsparty wurde im trauerbeflaggten Bundestag untersagt. Doch in den Bundestagsbüros wurde trotzdem eine Party zu Weiberfastnacht geschmissen. Die Organisatorin der Party wurde anschließend befördert und verdient jetzt soviel wie der BKA-Chef.

In ganz Deutschland fanden am 20. Februar Mahnwachen und auch Demonstrationen in Gedenken an den rechten Terroranschlag von Hanau statt. Der Bundestag setzte Trauerbeflaggung und am Brandenburger Tor fand eine Mahnwache statt, an der auch bekannte PolitikerInnen des Bundestags teilnahmen.

Der 20. Februar fiel auf Weiberfastnacht, den traditionellen Beginn vieler Karnevalsfeiern. Doch aufgrund der Anschläge wurde eine solche Feier vom Direktor der Bundestagsverwaltung, Horst Risse, untersagt. Aber weder der Anschlag noch das ausdrückliche Verbot hinterließen Eindruck bei einigen der Angestellten in der Bundestagsverwaltung.

„Ausgelassenes Gelage“

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, begann noch während der Gedenkveranstaltung am Brandenburger Tor eine Party im fünften Stockwerk des Bundestagsgebäudes Unter den Linden 74. Es liegt nur wenige Meter vom Brandenburger Tor entfernt. Gegenüber der Süddeutschen wurde von einem „ausgelassenen Gelage mit rund 100 Leuten“ gesprochen, darunter hochrangige Verwaltungsbeamte des Bundestags.

Während vor der Tür also hunderte Menschen der Opfer von einem der schwersten Terroranschläge der deutschen Nachkriegsgeschichte gedachte, wurde von den Spitzenbeamten ein Kostümwettbewerb durchgeführt. Der Preis sei an eine Gruppe gegangen, die als ‚Nimm-2-Bonbons‘ verkleidet war, heißt es.

BKA-Abschlussbericht zu rechtem Terror von Hanau – „kein rechter Täter“

Organisatorin befördert – Hausmeister gefeuert

Besonders eine Unterabteilungsleiterin habe sich bei der Organisation der Party hervorgetan. Jedoch handelte sie sich anschließend keine Rüge ein. Stattdessen wurde sie kürzlich zur „Abteilungsleiterin P“ befördert. Dadurch soll sie künftig als Ministerialdirektorin zuständig für alle Fragen rund um das Parlament und die Abgeordneten sein. Nun verdient sie so viel wie der Chef des Bundeskriminalamts.

Zugleich scheint ein „allseits beliebter“ Hausmeister aus dem Gebäude abgezogen und der Vertrag mit dessen Firma gekündigt worden sein. Dieser soll sich nach der Feier bitter über den Zustand der fünften Etage beschwert haben. So ist von durchweichten Tapeten und umgekippten Flaschen die Rede. Auch die Polizei musste wegen Lärmbelästigung und einem stillen Alarm anrücken.


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