Beim Wirecard-Konzern führen die Spuren nicht nur in die österreichischen, sondern auch in die deutschen Geheimdienste. So setzte sich Klaus-Dieter Fritsche, Ex-Vize-Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz und jahrelanger Geheimdienstkoordinator, für das kriminelle Unternehmen ein. Zeitgleich hatte er den rechten österreichischen Innenminister Kickl beraten.

Der ehemalige Geheimdienstbeauftragte der Bundesregierung, Klaus-Dieter Fritsche, hat für den kriminellen Wirecard-Konzern Kontakte in die Bundesregierung vermittelt. Darüber berichtete am Mittwoch der Spiegel.

Auf Nachfrage erklärte Fritsche, dass er im Sommer 2019 von „einem Freund“ gefragt worden sei, ob er für das Unternehmen einen Kontakt zum Kanzleramt organisieren könne. Welcher „Freund“ das war, ist bisher unbekannt.

„Ich ging damals davon aus, dass Wirecard eines der Unternehmen der digitalen Zukunft ist, deswegen habe ich ihnen geholfen“, sagt er. „Da es eins von nur vier Dax-Unternehmen aus Bayern ist, habe ich zugesagt und einen Termin mit Herrn Röller angefragt“, erklärte Fritsche weiter.

Röller ist Abteilungsleiter im Kanzleramt und wirtschaftspolitischer Berater von Angela Merkel. Ihn hat Fritsche am 13. August 2019 angefragt. Das Kanzleramt sagte zu. Für die Anbahnung des Kontakts habe Fritsche ein für externe Berater übliches Gehalt von Wirecard bekommen.

Kurz zuvor hatte bereits Ex-Verteidigungsminister Theodor zu Guttenberg über sein Unternehmen für die Firma Lobbyismus betrieben. Guttenberg steht über die Firma „Augustus Intelligence“ in Kontakt mit zwei ehemaligen deutschen Geheimdienst-Chefs.

Ex-Verteidigungsminister Guttenberg beriet kriminellen Wirecard-Konzern

Merkel für Wirecard

Bei ihrer Septemberreise setzte sich auch Angela Merkel dann bereits persönlich für Wirecard vor Ort in China ein. So habe sie die geplante Übernahme des chinesischen Unternehmens „AllScore Financial“ durch Wirecard angesprochen.

Am 11. September kam es dann zu einem Treffen im Kanzleramt – obwohl zuvor das Finanzministerium bereits die seit Jahren bekannten Vorwürfe zur Vorbereitung weitergereicht hatte. Neben Röller und Fritsche waren Alexander von Knoop, damaliger Finanzvorstand der Wirecard AG, und Burkhard Ley, ein Berater des Vorstands, anwesend.

Offiziell habe der Termin dem „gegenseitigen Kennenlernen“ gedient, erklärt ein Regierungssprecher. „Zudem informierte die Wirecard AG in allgemeiner Form über ihre Geschäftsaktivitäten in Fernost.“ Dass das Treffen so „locker“ und unverbindlich war, ist höchst unwahrscheinlich – immerhin hatte sich die Kanzlerin nur wenige Tage zuvor schon für das kriminelle Unternehmen stark gemacht.

Wer ist Klaus-Dieter Fritsche?

Fritsche ist nicht irgendwer, sondern steht beispielhaft für den rechten Geheimdienst-Apparatschik:

  • Fritsche (CSU) war von 1996 bis 2005 Vize-Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz.
  • Von 2005 bis 2009 war er Geheimdienstkoordinator im Kanzleramt.
  • Dann wurde er Staatssekretär in Bundesinnenministerium. Im NSU-Untersuchungsausschuss antwortete er 2012 auf die Frage, ob es legitim sei, wenn der Verfassungsschutz V-Leute im Umfeld des NSU verschweigen würde: „Ja! Staatswohl ist wichtiger als parlamentarische Aufklärung!“.
  • Zwischen 2014 und 2018 war er Staatssekretär im Bundeskanzleramt und Beauftragter für die Nachrichtendienste des Bundes – ein Posten, den Merkel neu geschaffen hatte.
  • Im März 2018 wurde er in den Ruhestand verabschiedet. Seit März 2019 arbeitete Fritsche dann für die österreichische ÖVP/FPÖ-Bundesregierung als Berater des FPÖ-Innenministers Herbert Kickl und beriet ihn bei seinem rechtsgerichteten Umbau des Nachrichtendienstes.

Hier könnte sich ein Kreis schließen – denn auch FPÖ und Österreichischer Geheimdienst spielen eine Rolle beim Wirecard-Konzern. So soll der flüchtige Wirecard-Manager Jan Marsalek Geheimdienstinformationen aus Österreich besessen haben und diese unter anderem an die rechte FPÖ weitergereicht haben.

Flüchtiger Wirecard-Manager hatte Verbindung zu österreichischem Geheimdienst und faschistischer FPÖ

 


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