Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) steht für die Verschmelzung von Adel, rechter Politik und Wirtschaft. So hatte der Ex-Verteidigungsminister nicht nur bei der dubiosen Firma Augustus Intelligence sine Finger mit im Spiel. Sein Unternehmen beriet auch den Skandal-Konzern Wirecard – bis zwei Tage vor dessen Insolvenz. Auf seine Lobbyarbeit hin setzte sich offenbar auch das Finanzministerium für Wirecard ein.

Die Investment- und Consultingfirma „Spitzberg Partners“ vom früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat den Zahlungsdienstleister Wirecard beraten. Wie der Spiegel berichtet, habe Wirecard mit Guttenbergs Unternehmen zwischen 2016 und 2020 zusammengearbeitet.

Derzeit wird gegen ehemalige Eigentümer und Manager der Tech-Hoffnung Wirecard wegen des Verdachts auf Betrug, Untreue, Bilanzfälschung, Marktmanipulation und Geldwäsche ermittelt. Auslöser der derzeitigen Ermittlungen ist, dass Wirecard offenbar 1,9 Milliarden Euro in den Bilanzen aufführte, die jedoch verschwunden sind.

Wirtschaftsverbrechen Wirecard – auf Kosten von MitarbeiterInnen und SteuerzahlerInnen

Guttenbergs Firma „entsetzt“.

„Wir hatten zu keinem Zeitpunkt Zugang zu noch Kenntnis von etwaigen Diskrepanzen in der Bilanzierung“, sagte nun der adelige Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Buhl-Freiherr von und zu Guttenberg.

Seine Firma sei „entsetzt und schockiert über die jüngsten Enthüllungen und Entwicklungen“ und habe das Beratungsmandat für Wirecard beendet. Zwei Tage bevor Wirecard insolvent gegangen ist. Zu diesem Zeitpunkt waren alle Vorwürfe gegen Wirecard – teilweise schon seit vielen Jahren – bekannt.

Spitzberg Partners half im Asiengeschäft

Besonders dubios scheint bei Wirecard das Asiengeschäft gewesen zu sein. Denn dort hatte das DAX-Unternehmen oftmals keine Lizenzen erhalten und musste Umwege gehen. Genau hier soll Guttenbergs Firma Wirecard beim Kauf eines chinesischen Zahlungsabwicklers beraten und unterstützt haben.

Dafür soll Guttenberg auch Lobbyarbeit bei der Bundesregierung getätigt haben. So erklärte zu Guttenberg diese Woche auf Anfrage des SPIEGEL, dass Spitzberg Partners die Bundesregierung über den geplanten Markteintritt von Wirecard in China „unterrichtet und die Möglichkeiten wohlwollender Begleitung im bilateralen Verhältnis mit China eruiert“ habe.

Dies führte scheinbar zu Ergebnissen. So habe sich ein Staatsekretär des Bundesfinanzministeriums im Juni 2019 im Rahmen des deutsch-chinesischen Finanzdialogs an seine chinesischen Ansprechpartner gewandt, „um über das Interesse des deutschen Unternehmens Wirecard am Eintritt in den chinesischen Markt zu informieren“.

Guttenberg auch bei Augustus Intelligence mit drin

Es ist bereits das zweite Mal, das Guttenberg im Zuge von Enthüllungen über dubiose Tech-Konzerne auffällig wird. So wurde er im Mai 2019 Vorstand des Unternehmens „Augustus Intelligence“.

Das Unternehmen plante Überwachungssoftware und wurde unter anderem von dem Unternehmensberater Roland Berger sowie dem ehemaligen Geheimdienstchef Hans-Georg Maaßen und August Hanning unterstützt. Finanziell beteiligte sich der Sohn des AfD-Finanziers Finck. Das Unternehmen erlangte Bekanntheit durch den Lobbyismus, den CDU-Jung-Star Phillip Amthor bei Wirtschaftsminister Altmaier (CDU) betrieb.

Auch bei Wirecard gibt es Verbindungen zum Geheimdienst und rechter Bewegung. So soll der derzeit flüchtige Manager Jan Marsalek Geheimdienstinformationen aus Österreich besessen haben und diese unter anderem an die rechte FPÖ weitergereicht haben.

Flüchtiger Wirecard-Manager hatte Verbindung zu österreichischem Geheimdienst und faschistischer FPÖ


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